Donnerstag, 26. November 2009

walking in guilin & guandong - ein-haus-doerfer und hochzeitshoelle in fujian - statt yunnan: auf dem mekong ins gelobte land

nein, die chinesische zensurpolizei hat mich nicht entfernt - statt dessen war ich unbehelligt fuenf tage teil einer hoechst eigenwilligen internationalen gratisgruppenreise zur bewerbung des volkssports in china. oder zur bewerbung zweier 2b-tourist-destinations. oder fuer irgendetwas anderes ... so ganz klar ist mir das immer noch nicht.


jedenfalls war es GROSS. weil jemand es gross haben wollte. und wenn in china jemand mit einfluss etwas gross haben will, dann wird es eben gross gemacht: dann laed man 15 diplomaten aus beijing, 15 chinesische wanderer, 15 zufaellige backpacker und 15 reisefuehrer / sicherheitsbeamte in zwei busse, spuckt sie im regen am haupt- und paradeplatz aus, haengt ein grossplakat auf, zuendet ein papierschnitzelfeuerwerk, laesst einen trupp minority-funkenmariechen samt blaskapelle aufmarschieren und dazu alle sportvereine der stadt spalier stehen, schwingt wichtige oder unwichtige reden - und schon hat man eine tolle erfolgsmeldung samt pressematerial, das in der kontrollierten presse ja auch garantiert gross gebracht wird. weil jemand will, dass es gross wird. punktum.

so fing es an, und wir "aliens" (das ist der hier korrekte fachterminus fuer auslaender - auch beim amt fuer visafragen) waren amuesiert und ein bisschen in sorge. vom nepalesischen botschafter, dem zauberhaften mr. karki, und einigen irritierten botschaftsmitarbeitern aus litauen, rumanien, der tuerkei oder afghanistan, ueber den ehrenpraesident der internationalen volkssport-verbands, mr. volkmer aus grossmehring (jemand schon mal von dem verband gehoert? nein? komisch...) , drei japanischen nordic walking trainern - bis zu einer handvoll backpacker, die china-climb geschaeftsfuehrer dave binnen 5 tagen zu rekrutieren gebeten wurde. ("wenn sie uns diesen gefallen tun, loesen wir ihre probleme mit der chinesischen tourismusbhoerde. ach, sie haben keine probleme mit der chinesischen tourismusbehoerde? jaaaa... wenn sie mit uns zusammenarbeiten, haben sie auch im naechsten jahr keine probleme!" - das ergebnis waren eine handvoll touristen, freunde von dave und mitarbeiter, die neu waren oder seiner ansicht nach bestraft werden mussten)

dann wurden wir wieder in die busse geladen und mit polizei-eskorte samt blaulicht durch den regen in die berge gefahren. wo wir im dorf der langhaar-frauen, das fuer unsere internationale delegation 3 stunden gesperrt wurde, einer wirklich grueseligen touristenshow beiwohnten (die nur dadurch ertraeglich wurde, dass dave sich bei einer fake-hochzeitszeremonie schoen oeffentlich blamieren musste. der typ ist ein ausgewiesener chauvinist und ruepel, der wohl aufgrund fehlender manieren gezwungen ist, im ausland zu leben - ich hoffe, in seiner heimat wuerde er von mitarbeiterinnen am laufenden band verklagt werden. es gibt so einen typ expat in asien, der gehoert gesprengt...)

im anschluss kletterten wir im stroemenden regen die weltberuehmten dargon's backbone reis-terassen hoch zu einem gasthaus, in dem anschliessend feste gefeiert wurde - davon keine beweisfotos aus ruecksicht auf zarte seelen und unser aller ruf.
als wir am naechsten morgen die noch benebelten koepfe aus dem fenster steckten, war da: noch mehr nebel. neiin!

weswegen wir die eigentliche attraktion: die aussicht leider verpasst haben, denn wir mussten schnellschnell wieder den berg runter und zum naechsten highlight. wie schade.

dafuer wurden wir nachmittags mit einer wunderschoenen wanderung mit kleinen bootspassagen entlang des li-rivers in yangshuo entlohnt - das war sehr launig, zumal wir uns (als sportliche herusfoerderung) groesste muehe gegeben haben, die security-hiker zur verzweiflung zu bringen.

einer mit fahne haette vorne laufen sollen, wurde aber staendig von denise und den jungs ueberholt - der mit funkgeraet in der mitte bekam anfaelle, weil mein neuer nepalesischer freund mr. karki und ich immer ausbuechsten, um uns china abseits des wanderwegs anzugucken. und der mit fahne hinten verzweifelte, weil das diplomatenpaearchen aus der turkei auf eigene faust lieber im boot fuhr und er nicht wusste, wo den nun das offizielle hinten war.

begleitet wurde all das von einem bambusfloss mit pressefotografen - doch auch die haben kein komplettes gruppenfoto zustande gebracht.

das versprochene abendprogramm in yangshuu (noch eine show) fiel qua regen gluecklicherweise aus, und musste der arme dave seine und china-climbs hilfe anbieten. und wir alle haben pflichtschuldig nach allerfeinstem abendessen im besten restaurant der stadt auf seine kosten auch noch die bar der lizard lounge niedergekaempft. wandern ist ziemlich ungesund, vor allem fuer die leber. zum glueck konnten wir den kater am naechsten tag wahrend einer 12 stuendigen busfahrt ans gefuehlt andere ende chinas auskurieren - nach zhaoqing. oha! da war ich doch schonmal - wegen der bagua-feng-shui-doerfer! naechster anlauf...

der bus fuhr abends, nach unendlicher fahrt, an einem ueberdimonsionierter luxus-bunker vor, nach chinesischer lesart mit sieben sternen gesegnet. wir haben darauf gehofft, dass die gesamte delegation dort essen darf, und nicht nur die echten vips - und dann durften wir nach einem wirklich fulminanten buffet tatsaechlich alle einchecken.

heiteres ferienlager - und unglaeubiges staunen: wir haben im badezimmer zwei (!) fernseher, einen vor der toilette und einen ueber der badewanne. meine zimmergenossin tamy und ich steigen gleich mal die schicken hoteleigenen (und schoen zuechtigen) haiwaihemd-schlafanzug-badeanzuege und tanzen durch unsere 50 qm suite. und schleichen um mitternacht statt an die bar noch in die wellness-tempel - aber das schaffte meine kamera nicht, schaut statt dessen die webseite mit den kunstvoll hinein-gephotoshopten touristen an.

kitsch kann soooo schoen sein! spritzbetongrotten, plastikpflanzen, pools in unterschiedlichsten temperaturen von lauwarm bis siedend und plaerrende klavierversionen von chinesischen klassikern. sensationell...


der wirkliche wahnsinn aber erwartete uns am tag drauf: auf dem hauptplatzt 20.000 menschen, und einige unserer delegartion mussten fahnentragend auf die buehne - dort boten opernsaenger den eigens komponierten song zur veranstaltung dar, es gab tanz, feuerwerk, noch mehr reden - und im anschluss den "volksmarch" rund um den starlake:

40.000 menschen schieben sich einmal um den see.... wandern im stau scheint beliebt zu sein.
oder vielleicht wollte auch nur jemand die veranstaltung ganz gross haben - wer weiss das schon?
bemerkenswert war , wie wir billig gekoederten jubelperser dann doch alle ein sehr euphorisches grinsen im gesicht hatten und uns sehr vip fuehlten. oder lag es an der euphorie der massen?
meine wuensche nach kulinarischer begleitung jedenfalls wurden vom universum erhoert - zum abschluss gab es noch ein sehr chinesisches mittagsbankett mit 800 ehrengaesten und ballet im hintergrund. jetzt reichts aber auch.

nach einem weiteren feinen essen im hotel und dann endlich ohne wachmannschaft verbrachten wir jubelperser den letzten abend ratschend in den zahlreichen pools, mit in colaflaschen eingeschmuggelten cuba-libre. die hotelbar war aber auch wirklich zu teuer fuer uns schnorrer.
und - puff! - am naechsten morgen ist die klassenfahrt vorbei.
komisches gefuehl, ploetzlich wieder alleine zu reisen - die meisten fahren noch gemeinsam nach yangshuo zurueck, aber ich gebe den bagua-doerfern noch einen versuch, bevor ich weiterreise.


aber erstmal gehts sonntag morgens um 8 ins theater!

die uebersetzer vom vortag (die hatte ich ja noch gar nicht erwaehnt - jeder hatte einen eigenen uebersetzter!) , allesamt englisch studenten, haben mich eingeladen, ihre pronounciation-klasse zu besuchen: zu uebungszwecken werden filme oder theaterstucke in selbstverfassten kurzfassungen dargeboten - unter anderem king lear in 3 minuten, zwei fassungen von cinderella, und eine wirklich sehr sehr lustige titanic-auffuehrung.
im anschluss bekomme ich noch eine fuehrung ueber den campus (hier wohnt man im studentenwohnheim zu viert auf 8 qm...) und in die mensa.

und die maedels geben sich alle muehe, mir einen ausflug in diese vermaledeiten doerfer zu ermoeglichen - doch als wir dann einen taxifahrer haben, der angeblich weiss wo es ist, faengt es in stroemen zu regnen an - und ich beschliesse, den ausflug zu verschieben, jetzt hab ich ja die telefonnummer des taxlers.

aber aufgeschoben ist auf dieser reise aufgehoben - denn als ich nachmittags im luxusbunker meine weiterreise plane und die wettervorhersage pruefe, wird klar, dass ich mir landpartien wegen typhoon erstmal schenken kann ... sollte wohl nicht sein.

die kaltwetterfront erwischt suedchina, und die naechsten tage wird mit nassen fuessen gefroren was das zeug haelt - ich verkrieche mich in guangzhou in der jugendherberge (ungeheizt), und versuche plaene zu schmieden, die wintertauglich sind und denke schon ueber flucht nach thailand nach. aber so schnell gebe ich doch nicht auf, und so toure ich zuerst noch durch guangzhou, das mit mit jedem mal besser gefaellt, besuche museen und entdecke ding yanyong , der die klassische kunst der blumen und voegel-kalligrafie mit grossem humor variiert - und einen sehr traurigen karrikaturisten namens liao bingxiong .
die weitereise fuehrt nach yongding ins land der hakka, wo frueher ganze clans in einem grossen runden haus mit bis zu 200 kleinen zimmerchen lebten (diese tuluos stehen heute leider meist leer - oder beherbergen ramschmaerkte fuer touristen) .

hier miete ich mir einen motorradfahrer, ein cooler hund von ca 50 jahren, der mich durch die landschaft und zu allen sehenswuerdigen tuluos kurvt - es ist klirrkalt, aber wunderschoen.

zum aufwaermen kann man sich ja eine teezeremonie aufschwatzen lassen. da gibt es dann (zumindest bis zum dritten aufguss eklige) gruenetee-bruehe aus puppenstubenstassen, wo man doch eigentlich die haende an lieber an der kanne waermen wuerde...

und dann habe ich erkannt, was hier auf grossen matten in der sonne ausser gruentee und obst gerade noch getrocknet wird: malven! die tee-rettung. meine spontane begeisterung wird mit einer gratisprobe belohnt, die dann abends in meiner hotelzimmerthermoskanne landet - dem einzig warmen in diesem zimmer ohne strom. morgens: frost.

zurueck an der kueste ist es zumindest wieder herbstlich. ich quartiere mich auf einer kleinen insel vor xiamen ein, auf der alte botschaftsgebaeude malerisch vor sich hinmodern - und lande in der hochzeitshoelle:

gulan yu ist das traumziel aller chinesischer hochzeitsfotografen, und so stauen sich vor treppen, toren und efeu-ueberwucherten mauern, vor felsen und am strand und ueberhaupt ueberall auf der insel die aufgetakelten brautpaare.

samt stylist, fotograf und beleuchter und mindestens vier verschiedenen miet-roben (neben weiss gerne einmal chinesisch, ballkleid und casual) warten sie geduldig, bis sie an der reihe sind mit der ganz und gar nicht individuellen inszenierung ihres gluecks.

und zwischen den brautpaaren schieben sich busladunsgweise chinesische tagestouristen hindurch, die europaeische architektur vor der haustuer geniessen. hilfe!!
leider ist meine weiterreise nach kunming schon gebucht und erst in zwei tagen - und so vertreibe ich mir die zeit mit kulinarischen erkundungen. trockenfisch ist mein fall nicht, aber hier gibt es ziemlich gutes trockenfleisch in unzaehligen gewuerzrichtungen, und das chinesische beef jerkey ist schon seit der mongolei mein lieblingssnack.

zwei studentinnen aus xiamen, die ich beim fotografieren kennenlernen, ueberreden mich zu kaffee & kuchen im ehemaligen deutschen konsulat - sie verpflichten mich als sprachlehrerin fuer den nachmittag und zahlen in original deutschem kaesekuchen, der serviert wird mit einem huebschen straeusschen petersilie.
lecker... langsam wirds zeit, nach hause zu kommen.

gekroent wird die voellerei mit einem abendessen in begleitung von paul newman, der unter tarnidentitaet reist.
octopus-sashimi. lecker.

weiter geht es ueber kunming, wo es kalt ist, nach jinghong, wo ich eigentlich wandern gehen will - aber dann so muede vom reisen und angucken, so muede von china bin, dass ich spontan alles umwerfe:

als ich sehe, dass es eine faehre nach thailand gibt, die einen tag lang den mekong entlang faehrt zwischen laos und myanmar hindurch, kaufe ich ein ticket - ausreisen muss ich eh nochmal oder hier versuchen, das visum zu verlaengern. und thailand leuchtet hinter den bergen wie das gelobte land ...

kaum bin ich auf dem schiff (und offiziell ausgereist) fuehle ich mich ploetzlich wieder pudelwohl.

aber china macht mir noch ein abschiedsgeschenk: mit mir auf der faehre ist die jahrestagung der leitenden redaktuere der groessten tageszeitung in kunming, und die sind sehr nett und sehr klug. wir haben viel zum reden - ueber die zukunft von journalismus, die zukunft von print, mediennutzung, medienpolitik, ... bin ganz beglueckt ueber diese bekanntschaft.
vor allem ueber wendy, die natuerlich eigentlich ganz anders heisst, sich aber wie alle chinesen einen englischtauglichen kampfnamen gewaehlt hat.
diese sitte habe ich uebrigens auch eingefuehrt. da andrea nur als an-de-lei-ya funktioniert und damit zwei silben zu lang fuer einen guten chinesischen vornamen ist, erlaube ich erstmalig in meinem leben abkuerzungen. naemlich: an Das bedeutet ruhig, friedlich, gesund und ist ein nachname. dann koenne sie mich an nueshi nennen, frau an.
seither geniesse ich thaifood, massagen und die sanfte stille in tempeln. thailand fuehlt sich jedesmal ein bisserl an wie nach hause kommen ... jetzt werde ich im sueden noch eine woche in ein yoga-retreat gehen und dann jared in bangkok besuchen - und dann .. dann gehts langsam wirklich zurueck nach deutschland.
freu mich schon - bis bald!
ps: (hoechste zeit fuer ein ps!)
das mit den namen hat mich natuerlich nicht losgelassen - wenn hier jemand mandarin kann und anmerkungen hat: herbei!
"fei" und "sha" sind zum glueck echte familiennamen, die "Kosten" und "Sand" bedeuten (aber klingen wie "kakerlake toetet" - hier sieht man meine mitbewohner aus beijing vor lachen umgefallen)
an-de-lei-ya kann aber so ziemlich alles bedeuten, zum beispiel
"Die Akte gewinnt erschoepft zweitplatziert" oder "Der Wall des Ufers drueckt"....
am besten aber gefaellt es mir so:

Fèi-Shā Ān-dé-lěi-Yà
费 沙 安 得 累亚
und das bedeutet etwas holprig:
Fischer An erreicht immerwieder Asien

jawoll.

Montag, 9. November 2009

hongkong, guangzhou, yangshuo

ich war ja etwas unwillig, china zu verlassen, und hatte auch wirklich keine lust auf noch mehr grossstadt (noch dazu eine, in der sich wirklich alles ums shoppen dreht) – aber es fuehlte sich schon ganz gut an, den freundlichen chinesischen grenzbeamten samt staatlichem zensurapparat hinter mir zu lassen.

hongkong war gnaedig und weitgehend smogfrei, und das tropenklima gefaellt mir im winter ja ganz besonders. also habe ich die dicken socken gegen flipsflops eingetauscht und bin auf erkundungstour geschlappt. hongkong selbst ist ja gar nicht soo gross (ein grossteil der knappen flaeche ist auch nicht bebaut, sondern wald und berg und drumherum wasser) und so verteilt sich die doch recht zahlreiche bevoelkerung eben nicht in die breite, sondern in die hoehe: das durchschnittliche miethaus hat 37 stockwerke. das fuehlt sich dann doch komisch an, wenn man irgendwie immer tausende menschen sprichworertlich im nacken sitzen hat.
und dann ist es auch eine schoene abwechslung, ein internationaleres publikum zu sehen. auch weil der verschworene-eingeweihte-mitgefangene-blickkontakt, der in china zwischen offenkundigen touristen (weil westlern) ueblich ist, hier nicht greift.
fuehle mich pleotzlich nicht mehr als ausstellungsstueck. erholsam, aber dadurch ploetzlich auch alleine und ohne halt in der masse.

dafuer gibt es zwischendrin immer wieder oasen: zwischen shoppingtempeln klemmen vereinzelte kleine tempelchen, und es gibt wunderschoene parks. wie zum beispiel den hongkongpark , wo man auf einer hochbruecke durch eine riesige voliere spaziert, auf augenhoehe mit papageien und turteltauben (gefiederten. aber auch menschlichen - dieser park scheint lieblingsplatz der hochzeitsfotografen zu sein).

richting glueck hatte ich auch mit der wahl des hostels: im maedchen-schlafsaal des yesinn war ferienlagerstimmung. und nach einem sehr, sehr entspannten tag am strand von lamma, einer kleinen insel, die sich hinter hongkongisland versteckt (und auf der meine freundin tanja, glaub ich, sogar mal gewohnt hat??), sind wir losgezogen, um halloween zu feiern:
dank unses roommates (einer herzerfrischend lustigen lederlesbe mit einem namen so zart, das er mir leider nicht im gedaechtnis blieb. phoebe? florence? fiona?) die als fitnessinstruktor auf einem us.navy kreuzer arbeitet und grad landgang hatte, geraten wir in den eine truppe seeleute der us navy, und ziehen biertrinkend und froehlich durch die strassen – jede kneipe, jede strasse gestopft voll mit feierfreudigen, ob kostuemiert oder nicht. um halb vier bin ich nach harten kaempfen in ein taxi gefallen.

der tag drauf war dann ziemlich kurz. aber ich habe oscar wiedergetroffen,die hongkongerin aus unserem volunteer-camp in ulaan baatar! mit ihr und ihren freundin jacky erkunde ich soho, was ein wirklich zauberhaftes altstadt-eck ist – und beim bambusstaebchenschuetteln faellt die glueckliche 36. hehe. abends essen wir in einer geheimtipps-strassenkueche, und ich bekomme so fragwuerdige koestlichkeiten wie 1000jaehrige eier serviert. die schlale schmeckt und fuehlt sich an wie blaue gummibaerchen.

mit meinem neuen visum fuer china gibt es auch keine probleme, und so breche ich noch zu einem ausgedehnten shoppingbummel auf und packe ein paeckchen, damit ich das nicht alles durchs land schleppen muss. zwischendrin stolpere ich bei sz online ueber einen shoppingfuehrer hongkong - aber ehrlich, die (und dpd) sollten nicht einfach die werbetexte des tourismusverbandes abdrucken: auf dem jademarkt kann man prima jade kaufen??? ausser gefaerbtem glas war das nur gefaerbtes glas – und wer auf dem ladie’s market geschmackvolle damenoberbekleidung sucht, wird auch nicht fuendig werden (es ist aber wider erwarten auch kein fleischmarkt). liebe sueddeutsche, ich schreib euch das gerne gegen kleines geld um, email genuegt. da habt ihr dann
auch noch genug fuer einen korrektor, der meine rechtschreibschlamperei ausbuegelt)

nach einem buero-und-blogtag bin ich dann mit der faehre nach gaoming gefahren, denn ich wollte auf dem weg noch bagua-dorfer besuchen, die nach fengshui-prinzipen achteckig gebaut und organisiert sind. aber fuers spontanreisen und solche abenteuer ist mein chinesisch dann offenbar doch noch nicht gut genug - und so bin ich unverrichteter dinge weiter nach guangzhou, einer durchschnittlichen grossstadt mit 10.7 mio einwohnern. (besser bekannt unter dem namen canton). und zu meiner ueberraschung ist guangszhou wirklich nett, sehr geschaeftig aber dabei eintspannt. und es gibt ziemlich viel zu entdecken, wenn man nicht gerade auf der uferpromade sitzt und der stadt beim wuseln zuguckt.
eindrucksvoll gruen ist es – in den vorstaedten ist jeder gruenstreifen ein privater gemuesegarten (an sich eine gute idee, wenn nur der smog nicht so giftig waere! ich sehe 10 jahre aelter aus nach einem tag in der stadt), und in der innenstadt wuchert es durch jeden bauzaun und von jedem balkon. ein museum hab ich mir gegoennt, mit dem inhalt der grabkammer eines nan-you-koenigs und 3500 jahre alten alten bronzekoepfen – und einer sonderausstellung ueber kopfkissen. aus porzellan. weit weg in meinem hinterkopf war irgendwann mal schon, dass die alten chinesen ihre mueden haeupter auf kleine kloetze betteten, aber das hat dann doch meine kuehnsten erwartungen uebertroffen: sieht irre gemuetlich aus, so ein porzellankissen, oder?

guangszhou barg noch eine dimsum-orgie zum mittagessen, und die freundschaft mit noa aus israel und joshua aus den usa, ueber die ich mich sehr freue. nicht nur wegen der ersehnten abenteuerlustigen essensbegleitung.
mit noa habe ich einen sehr schoenen tag in foshan verbracht, wo wir eigentlich keramikmanufakturen besichtigen wollten, dann aber ratschend im tempel haengenbleiben – und so in den genuss des loewentanzes kommen, einer beeindruckenden akrobatiknummer zu wildem trommeln. (hier wird gerade eine lokale koestlichkeit verkostet die aussieht wie seidenkokons mit raupe drinnen- ist aber aus zuckerwatte und nuss. kostet dennoch ueberwindung beim reinbeissen, man weiss ja nie)

und mit joshua habe ich mich vorgestern hier in yangshou wiedergetroffen, dem chinesischen garmisch: idylisch zwischen wilden bergen eingeklemmt, wunderschoene landschaft – und superkitschtouristisch.

als ich hier nach einer wirklich unangenehmen nachtbusfahrt im morgengrauen aus dem bus geworfen werde, wartet schon ein schmierlappen von hotelschlepper auf mich, dem ich mich im leben nicht anvertraut haette – haette er nicht einen von joshua geschrieben zettel mit meinem namen in der hand. der naemlich hat sich inzwischen mit der lokalen mafia angefreundet, und so von den infamous li-brothers das penthouse einer ihrer zahlreichen absteigen zum freundschaftspreis gemietet.

wie mein reisebegleiter, ein 21 jahriger philosophiestudent und wirklich feine gesellschaft, sich diese freundschaft erworben hat, ist mir noch nicht ganz klar, aber meine hat er ja auch. und ich wollte schliesslich leute finden, mit denen ich die chinesische kueche ausprobieren kann, oder?
denn als bonusprogramm fuehrt uns der aeltere mr. li, ein ziemlich neureicher und grobschlaechtiger, aber irgendwie eindrucksvoller kerl, abends durch sein neuerworbenes chalet und zum essen: hund. im hotpot.
da kann man jetzt verschiedener meinung sein, zugegeben, aber es schmeckt wie hase und eine solche einladung abzulehnen ist in china sehrsehr unhoeflich. und ich will nicht unhoeflich sein. schon gar nicht der lokalen mafia gegenueber.
(joshua hat schon mal fuer fahndungsfotos posiert. doch die kunst des scherenschnitts ist in yangshuo so alt, dass das fertige werk voraussagt, wie man in 30 jahren aussehen wird - wirklich erstaunlich. )

zum ausgleich gibt es hier aber noch die zauberhafte annie, die das bamboo-guesthouse betreibt und den besten kaffee der stadt kocht (und deren internetzugang funktioniert, so schnell, dass sogar mauerknacken funktioniert, wenn auch fotos hochladen nicht).
allen, die einmal ins schoene yangshou reisen, sei ihr hostel ans herz gelegt (die li-brothers kann ich nicht uneingeschraenkt empfehlen)
von annie haben wir gestern fahrraeder geliehen und sind den fluss hoch und runter gefahren, was wunderschoen war – inklusiver der erzwungenen bambooraft-uberfahrt zu einem alten mann, der den geplatzten reifen wieder geflickt hat.

hier in der ecke bleibe ich erstmal ein paar tage und diene dem tourismusministerium ab morgen als attraktion waerend einer fuenftaegigen rundreise des chinesischen wandervereins, zu dem internationale wanderfachkraefte aus aller welt eingeladen sind (und um es international zu machen, lud man spontan/panisch/in letzter sekunde auch 10 zufallstouristen, darunter joshua und mich, ein ... )
bin sehr neugierig - und ein bisserl aufgeregt. gerate ich jetzt vollends unter staatliche kontrolle oder ist das eine einmalige chance, china aus der innen- oder einer ganz anderen perspektive zu erleben?

ich werde berichten. und dann geht es weiter gen sezhuan, meinem lieblingspfeffer auf der spur!

Dienstag, 3. November 2009

tsetserleg, kharkhorin, arvaikheer, datong, beijing

wenn eine eine reise tut, hat sie was zu erzaehlen. sollte sich dann aber auch.
entschuldigung. doch in den letzten wochen war erstens viel los und zweitens mein zugang zur freien massenkommunikation erschwert, deshalb reiss ich mich heute zusammen und mache einen bueronachmittag in einer internetbude in hongkong. leider etwas mehr zu lesen, sehr userunfreundlich, ich weiss, ich weiss... danke dennch fuer die geneigte aufmerksamkeit.
und los gehts:


ein roadtrip durch die mongolei

anfang oktober: in der morgendaemmerung brechen wir auf gen westen. unser vehikel ist die russische variante eines vwbusses mit zwei tanks, peinlich sauberen sitzbezuegen und einem sehr schrammeligen autoradio - beladen mit proviant, vier abenteuerlustigen reisenden und churlee - ex-soldat, fahrer, uebersetzer, kleinkind und kindermaedchen in einer person.

wir fahren gen westen - machen mittagspause in den sandduenen, die ich schon vor ein paar wochen besucht habe, und besuchen meine zaueberhafte nomadische gastfamilie, um ihnen die abzuege ihrer portraitfotos zu ueberreichen - grosses zeremoniell inklusive, besonders da ihr aelterer sohn in der woche zuvor verjurtet wurde. das ist der korrekte terminus fuer eine mongolische hochzeit: das brautpaar bekommt eine eigene jurte, zieht ohne viel aufhebens ein - fertig. noch drei wochen zuvor hatte ich beim jurtenaehen geholfen (also, soweit ich die nadel durch den zentimeterdicken schaffilz bekommen hab...) und wir waren jezt die ersten fremden gaeste - da wurde stolz im neue geschirr die traditionelle vergorene stutenmilch und (diese hausfrau ist modern, und das will sie auch zeigen) gekaufte kekse serviert.

danach geht es weiter, ueber kharkorin hinaus bis nach tseterleg, wo wir puenktlich zum sonnenuntergang und mondaufgang ankommen und nach 14 stunden reise unsere mueden haeupter auf echte kissen in echten betten betten. zugegeben, ich hab es genossen. wir hatten geplant, in guenstigen gercamps zu uebernachten, und meiner ansicht unter anderem auch, weil churlee laut unserem vertrag fuer uebernachtung selbst aufkommen sollte - fuer essen sorgen wir. uns so hatten wir schon am ersten abend einen riss im gefuege: unser fahrer, der in den gercamps (wie wir spaeter herausfanden) den deal "ich bringe touristen und schlafe dafuer umsonst" macht, sagt uns, er wuerde bei bekannten schlafen, schlaeft aber in wahrheit im saukalten auto. hm.


am tag drauf fahren wir ziemlich direkt weiter richtung white lake (der in wahrheit blau ist),
einem naturschutzgebiet, inmitten einer kargen vulkanlandschaft, wunderschoen.
hier bleiben wir auch zwei nachte bei einer von bert vermittelten nomadenfamilie, gehen wandern und reiten, spielen karten und ratschen, kochen eintopf (leider zu churlees grosser enttauschung schon wieder vegetarisch), unsere waesche und trinkwasser. so ein wok ist eine feine sache.

das wasser brachte uns am ersten abend noch der sohn des hauses, am naechsten morgen bin ich selbst los, und die gastmutter zeigt mir die tiefe stelle am ufer... genau dort, wo ich am abend zuvor das yak beim trinken fotografiert habe. yak... und als am abend der wind zunimmt, wird das wasser so schmutzig, dass wir dann doch lieber eine extrarunde in die stadt fahren zum wasserkauf.
daniel, der ja gerade erst in der mongolei angekommen ist, wird ungedulig - hier gibt es ja gar keine kultur zu gucken! er will in staedte, tempel sehen... dabei ist mongolische kultur genau das: jurten, pferde, nichtstun. tempel gab es zwar mal, bevor die kommunisten aufgeraeumt haben (mit hoechst drastischen folgen fuer moenche und kulturschaetze), aber bis auf ulaan baatar sind die ortschaften, all die kleinen aimag und sum-center hoechst sovjetische erfindungen - gedacht, die nomadenkutur zu beeenden.

am morgen unserer weiterreise ist alles weiss - diesmal richtig viel schnee. zum glueck ist der bus fuer jedes wetter ausgelegt, und was vorgestern noch klimaanlage war wird durch zwei, drei schrauben im motorblock zur heizung. mittags gibs restaurantessen (endlich fleisch) und eine ordentliche schneeballschlacht, und danach biegen wir gefuehlt irgendwo in der landschaft rechts ab, fahren ueber stock und stein, ueber huegel und durch taeler - und finden (daran hatte ich nicht mehr geglaubt) tatsaechlich die heissen quellen, an denen sich zwei resorts niedergelassenhaben. juhu! badewanne! qietschsauber, aufgeweicht und aufgewaermt sitzten wir wieder im bus, denn churlee will doch lieber weiterfahren bis kharchorin als hier uebernachten (wahrscheinlich gabs keine gratisuebernachtung fuer ihn), doch dann folgt ein sehr, sehr anstrengender ritt. gerade vor einbruch der dunkelheit finden wir die hauptstrasse wieder, und dann gehts noch drei stunden durch die nacht - auf einer der (ich zitiere den reisefuehrer) "fiesesten pisten dieses an fiesen pisten nicht gerade armen landes". und um wachzubleiben, besteht unser inzwischen qua fleischmangel zunehmend unwirscher churlee auf offenen fenstern. was soll ich sagen - wir hatten noch nasse haare. die halbauskurierte erkaeltung aus ub schlug promt zurueck.

kharkorin, das alte zentrum des mongolenreiches, palast der soehne dschingis kahns, sammelplazt der gefuerchteten heerscharen, die die welt eroberten... kharkorin, soviel sei hier mal gesagt, lohnt sich nicht. punkt.

wir fahren statt dessen schnell weiter nach arvaikheer, um die buecherbruecke zu besuchen - und sind allesamt sehr gluecklich, als wir wieder in der zivilisation sind. die wunderbare uuganaa schleppt uns abends in das restaurant ihrer freundin, das gerade eroeffnet wird - superlecker, aber (unser churlee kanns nicht fassen) vegetarisch. ein vegetarisches restaurant ist durchaus ein riskantes unternehmen im land der fleisch-mit-fleisch-esser - doch da fuer mongolen und chinesen vegetarisch vor allem bedeutet, dass man fleischersatz moeglichst perfekt macht (kohlrabi-knochen am t-bone-tofu), beschwert er sich am ende doch nicht und haut rein, das es geradezu unhoeflich ist.

am nachsten tag erkunden wir die stadt und den huegel mit alten graffiiti (also, eher felszeichnungen aus der zeit der skythen, aber dazwischen sind halt doch immer wieder herzchen mit e+k... ) und ich besuche uuganaa.
ihr youth development center, das die buecherei beherbergt und auch das zentrum fuer die teachertrainings ist, wurde ja gerade erst durch die buecherbruecke aufgebaut und ist jetzt schon ein riesenrenner - ich habe den mitgliedsausweis nummer 509 (stolz!) .
sie haben sogar schon einen preis fuer nachhaltige entwicklung bekommen, mit dem geld koennen sie zwei maedels als bibliothekarinnen einstellen und schaffen auch noch jobs. ich denke, uuganaa und ihre bibliothek sind ein riesenglueck fuer diese kleine stadt - und ein tolles beispiel dafuer, wieviel der einsatz und die leidenschaft einer einzelnen person bewirkt, wenn sie die helfer trifft, die sie ermutigen. ich wuenschte, ich haette meinen volunteerdienst hier machen koennen (aber wer weiss, vielleicht komm ich im fruehjahr ja nochmal). und ich bin sehr froh, dass ich zumindest carsten aus der ferne bei der buchmesseplanung helfen konnte.

abends vergnuegen wir uns beim karaoke (zum glueck haben wir in ub ja backstreet boys und britney spears geuebt) - doch churlee schafft es irgendwie nicht zurueck ins hotel. gegen drei werden wir nervoes, immerhin muessen wir am naechsten morgen frueh los. und nach mehrmaligen hochpeinlichen anrufen kann ich ihn ueberreden, spielkarten und vodka beiseitezulegen... der idiot hat doch tatsaechlich in einer nacht gut die haelfte seines lohns fuer unsere abenteuerwoche verspielt, kann man das fassen?

im rueckblick hatten wir uns wohl zuviel vorgennommen - viel zeit im auto verbracht. aber schoen wars schon! und die autofahrten wurden durch churlees kassettensammlung (inkl. peter fox) und einen schweizer mp3 player samt adapter zur mitsingparade - und zum sprachkurs.
churlee hat eine deutsche freundin, die er naechstes jahr in der mongolei zu ehelichen plant und der er morgens und abend ischliebdischschaaatz ins telefon seufzt - und ich finde mich unfreiwillig in der rolle des cyrano mit lehrauftrag. (ja, danke, ich weiss, der verglich hinkt. wobei ... gegen ende der reise hege ich fuer die romantische claudiaaa deutlich waermere gefuehle als fuer ihren mit schlechten manieren gesegneten verehrer) .
auch lindsay lernt ploetzlich deutsch (und in einer woche gefuehlt mehr als churlee nach drei jahren kann) und ich gebe mir groesste muehe, damit die zwei nicht von fabiola und daniel mit tiefbunten schweizer minoritaetendialekten gefuettert werden statt mit huebsch sauberem schuldeutsch.

die fahrt nach ulaan baatar birgt noch einen spontanen stop in einem verfallen kloster (wunderschoen, aber igendwie auch spooky - dabei hab ich erst danach gelernt, dass hier waehrend einer religioesen revolution mal 3000 rotmuetzenmoenche abgeschlachtet wurden)
in ub selbst essen wir noch schnell was (suppe - mit fleisch!) und fallen in die dormbetten - am naechsten morgen gehts fuer mich in aller fruehe zum bahnhof - 24 stunden im zug, ueber die grenze nach china, bis datong. neugierde... aber die mongolei wird mir fehlen.


kulturschock in datong - und ein sprachkurs in beijing

ein paar tage vor meinem geburtstag also sitze ich im zug, fahre durch die wueste gobi (die gar keine wueste ist, sondern eine gobi - eine halbwueste) bekomme von meinen netten zugabteilmitinsassen die ersten brocken chinesisch beigebracht und einen selbstgekochten rindernacken aus der einkaufstuete serviert, von dem ich mir mit meinem eigenen messer ganz mongolisch stueckchen abschneide. lecker.
nach der grenze schlafe ich ein, und verpasse fast den vielgepriesenen wechsel der achsen auf das chinesische schienenmass - tatsaechlich ein schauspiel, der ganze zug wird per automatischem wagenheber einen meter in die luft befoerdert, dann rauschen drunter die alten achsen raus und die neuen rein, schraubschraub, und weiter gehts. tag fuer tag, mit jedem zug der durchkommt, in beide richtungen...

in datong ist - ueberraschung - alles chinesisch. das bedeutet, das sich sogar die touri-info nicht finde, weil sie auf chinesisch angeschlagen ist. ich fluechte mich ins bahnhofshotel (immerhin ist buchmessewoche, da muss man doch in bahnhofsnaehe wohnen!) und goenne mir ein doppelzimmer mit dusche und tv fuer mich ganz alleine.
nachmittags kaufe ich mit zeichensprache eine simkarte, die ins ausland funktioniet (im nachhinein hab ich gelernt, das das ziemlich aussergewohnlich ist - die sind in beijing scheint es fuer wichtige leute reserviert), erkunde die stadt (klasse) und esse die traditionellen gedaempften knoedel mit fuellung. langsam reichts mit dumplings - erst in sibirien pelmeni soweit der magen kann, dann in der mongolei wochenlang booz und jetzt schon wieder! ich koennte mal gemuese vertragen.

am naechsten tag mache ich dank des wunderbaren mister gao von cts, dem staatlichen china travel service, der englisch spricht und superhilfsbereit ist, einen ausflug per oeffentlichem bus an die mauer nach desheng bao - ohne seine hilfe haette ich den richtigen bus nie gefunden! desheng bao ist ein dorf, dass innerhalb der verfallenen mauern eines ming-kastells steht - sie nutzten die alte verteidigungsanlage quasi als zaun. und ein bisserl mauer gibt es auch, zugegeben aber sehr loechrig.
(zum thema loch in mauer hab ich auch viel nachgedacht an diesem tag, da ich am vorabend einen schoenen langen blogeintrag geschrieben hatte fuer die zwei leute, die das hier lesen - und dann beim hochladen von der chinesischen zensurmauer gestoppt wurde. leider ging dabei auch der text verloren, deshalb ist der unten stehenden mongolei-eintrag eine rekonstruktion. und das loch, das robert gebuddelt hat, ist zu klein zum wirklich dran arbeiten...)
zureuck schaffe ich es mit einem zettel, auf den ich datong in chinesisch gemalt habe, einen minibus anzuhalten - und muss stoisch ertragen, dass sich 12 leute eine stunde lang ueber mich lustig machen. wie kann man auch nur so bloed sein, und nach china fahren ohne chinesisch zu sprechen!!

fuer den naechsten morgen bin ich besser praepariert - zielorte, buslinien, und die frage nach dem naechsten und dem letzten bus sind auswendig gelernt und zur sicherheit in han-schriftzeichen und pinjin notiert (heute weiss ich, das mich eh keiner verstanden haette, weil meine aussprache 90prozent daneben lag und die datonger wohl eh kein mandarin spechen).
doch dann ruft mich der nette mr. gao um sechs in der frueh an und ueberredet mich zu einer gruppentour mit cts. na, meinetwegen.
war sogar ganz lustig - in ein kloster, das praktisch in den fels geschraubt ist (und ziemlich wackelig aussieht, wenn sich busladungen voll touristen durchschieben) sowie zu den beruehmten buddhahoehlen, die zahlreiche reisefuehrer zieren. dort war nur leider gerade eine wichtige militaerische delegation zu besuch, und wir wurden aus den schoensten hoehlen sofort rausgescheucht. manche genossen sind eben gleicher als andere...
dazwischen gabs ein grosses chinesisches mittagessen - 12 leute um den runden tisch, die drehglasplatte in der mitte biegt sich unter der last der koestlichkeiten - sehr fein. ich war auch schon ziemlich hungrig nach zwei tagen snacks.

alleinreisen in china hat naemlich einen ganz entscheidenden nachteil (mal abgesehn davon, das dich jeder chinese fuer einen total verschrobenen soziopathen haelt - kein mensch reist hier alleine. niemand macht hier auch nur irgendetwas allein).
das echte problem ist, das man nicht alleine essen gehen kann!
ausser in sehr westlichen restaurants oder fastfoodketten gibt es gar keine kleinen (oder auch nur mittelgrosse) tische, und alleine an einem 12er tisch ist hart. knallhart. peinlich.
dazu kommt, dass ausser in restaurants, wo eh keiner hinwill weil das essen nicht schmeckt oder die hygiene selbst chinesischen standards nicht genuegt, alleinesser auch gar nicht gerne gesehen sind - man nimmt ja 11 anderen den platz weg.
aber es macht auch viel mehr spass, in einer gruppe viele verschiedene sachen zu bestellen und alles zu probieren! so finde ich mich also auf der konstanten suche nach mitessern, denn chinesische kueche ist koestlich!!!


der naechste tag birgt eine sehr schone bahnreise bergab bis beijing - wo ich ein hostel finde, ein fahrrad leihe, die alten hutongviertel erkunde und beschliesse, mir zum morgigen geburtstag einen sprachkurs zu schenken. meinen geburtstag beginne ich mit fruehstueck auf chinesich (soyamilchbruehe, germknoedel ohne fuellung und sauer eingelegtes gemuese), dicht gefolgt von einem echten illy kaffee mit geburtsagsmuffin im poetry cafe.
dann radle ich zum hauptpostamt und hole mein geburtstagsgeschenk ab (soooo lieb von euch, danke! das hat mich wirklich sehr gefreut!) den nachmittag verbringe ich in der verbotenen stadt, und abends treffe ich meine beiden schweizer reisebegleiter fabiola und daniel und lasse mich von meinem liebsten in abwesenheit auf eine pekingente einladen - sehr lecker!


und ab da lebe ich ploetzlich in der stadt. buche einen sprachkurs im mandarin house (sehr zu empfehlen), besteige wie offenbar jeder zweite beijinger an einem schoenen herbstsamstag die perfume hills (stau beim aufstieg und beim abstieg - sensationell), ziehe bei einer gastfamilie ein und nach einer halben stunde wieder aus, weil ich ahne, dass ich in den suburbs fuerchterlich einsam werde zwischen einer grille im einmachglas und der geschmacklosesten nachtischlampe der welt - und finde in der sprachschul-wg nicht nur ein schoenens zwischenzuhause, sondern auch nette freundinnen.

die naechsten tage sind dem lernen gewidmet, wir geben uns alle wirklich muehe - aber 80 neue vokabeln pro tag sind ungefaehr 50 zuviel fuer mein untrainiertes hirn. zumal mir die visaverlaengeung deutlich mehr kopfschmerzen bereitet als gedacht - 3000 us$ will der staat china auf einem chinesischen bankkonto als deposit, bis ich das land verlasse... hm. das scheint mir doch wenig einladend. da ich vor der abreise im dezember auch nicht nochmal in beijing bei einer bank vorbeischlappen will, um das wieder auszuloesen - und weil ich dem staat china zugegeben mein geld noch weniger gern anvertrauen wuerde als gewissen kaufleuten in gewissen verlagen, entschliesse ich mich, die reiseroute kurzerhand auf den kopf zu stellen und nach dem sprachkurs nach hongkong zu fliegen, und dann eben den sueden anzusehen.


chinesisch (also korrekterwese mandarin, oder han-yu) macht spass und ist eigentlich gar nicht schwer. zumindest, wenn man, so wie ich, sich gar nicht erst mit schreibenlernen aufhaelt, und sich auf aussprache, tonhoehe und die zum glueck nicht vorhandene grammatik konzentriert. ich bin ganz erstaunt, wieviel ich in zwei wochen lernen kann - sehr schoen. auch wenn nach den ersten tagen deutlich muskelkater in bislang ungenutzter mundmuskulatur zu verzeichnen war - am o und am e habe ich sehr sehr lange (und zum grossen amusement meiner klassenkameraden) gearbeitet.


nur viel zeit zum sightseeing bleibt neben schule, lernen und hausaufgaben machen nicht - aber was ich von beijing kennenlerne, gefaellt mir sehr. ich oft sehr modern, oft sehr verwunschen. und sehr grosszuegig gebaut (man koennte auch sagen grosskotzig-protzig... und all die riesenstrassen und plaetze gehen definitiv in die knochen ...sogar ubahnfahren dauert ewig, denn die distanze sind enorm. und da das neu-olympische ubahnsystem in den ehemaligen maoistischenverteidigungstunneln gebaut wurde, ist umsteigen durchaus mal eine berg und tal tour in schleifen.)
mit eva, meiner wg-hollaenderin, habe ich tempel und nachtmaerkte erkundet - hier gabs mit dem buegeleisen plattgegrilltes gemuese und wuerstchen.

die menschen, die mir in beijing begegnen, sind sehr sehr nett und hilfsbereit - und ich muss gestehen, ich mag die pragmatische art, mit den aergernissen des alltags (und des staates) umzugehen.
mir als gast begegnet die staatsmacht eh sehr selten, und bis auf den visa-aerger sind mir (aber das liegt natuerlich an der auferlegten freundlichkeitsmaxime) nur ausnehmend nette staatsbeamte begegnet.
oder bin ich schon brainwashed? oder wird dieser blog zensiert?
zeitunglesen in china jedenfalls ist der totale lacher - da werden skandale aufgedeckt, und schuld zugewiesen - aber alles wohldosiert. und natuerlich nur die skandale, die aufgedeckt werden sollen!
mal ausserhalb der reihenfolge: ein blick heute in die (unabhaengige? kommt ja drauf an von wem...) englische zeitung im relativ freien hongkong barg wundersame schlagzeilen, bin schon gespannt wie das auf der gegenseite aussieht: offenbar haben beijinger chefmeterologen vorgestern mit schneeausloesekanonen den himmel vom smog gereinigt, aber vergessen, das den verkehrsbehoerden und dem flughafen mitzuteilen. totales schneechaos, flugghafen lahmgelegt. (es hat wirklich auch ausserhalb beijings geschneit, wie gross der anteil des ausgeloesten schnees ist, weiss ich nicht... ich wusste gar nicht, dass das ueberhaupt geht. geht das?).
und dann wird china jetzt die neue supermacht im all, damit sie feinde auch von oben bombardieren koennen. sagte der parteizustaendige gestern erstmals offiziell. aha. von der buchmesse uebrigens keine notiz in den medien, nicht nur im englischsprachigen kampfblatt nicht. aber das in deutschland die wirtschaft wieder waechst, das wird im fernsehen gemeldet. aha.
der neue kommunismus lautet: alle werden reich - die einen jetzt, die anderen spaeter. und sie nehmen die neue parole sehr ernst - es gehts ums geldverdienen und geldausgeben. ausschliesslich. doch bei den wilden teenies regt sich bereits holprige konsumkritik...
ich besichtige neben den weltberuehmten dingen wie dem sommerpalast auch wundervoll abstruse tempel (wie den taoistischen dongyue temple mit einer reihe von "ministerien" rund um die haupthalle, in denen sich himmlischeminister um angelegenheiten wie die pruefung ungerechtfertiger anschuldigungen, die vermeidung von abtreibungen, die regengoeter und um die einfuehrung von 15 arten grausamen ablebens kuemmern. alles plastisch dargestellt in lebensgrossem ton.), lerne von den rentnern im temple of heaven park diabolo tanzen und erkunde galerien und geschaefte, mache unvernuenftige radtouren durch den smog (das beruehmte vogelnest, das olympiastadion, ist smogfarben. man kann es einfach uebersehen.... ) und geniesse mein studentenleben. und einen tag mach ich blau und geh wandern, auf der mauer bei simatai. endlich frische luft!
als ich schliesslich am donnerstag mittag in den flieger flitze, um puenktlich zum auslaufen meines visas das land zu verlassen, plagt mich echter abschiedsschmerz.
ich habe mich ueberhaupt nicht auf hongkong gefreut. zumal man da nicht mal mandarin spricht....

aber dazu beim naechsten mal mehr - das war jetzt ein echter arbeitstag im internetcafe, und immerhin bin ich im urlaub! nur soviel vorneweg: hongkong ist auch klasse. anders, aber toll. und morgen gehts, mit neuem visum, zurueck aufs festland...

Mittwoch, 14. Oktober 2009

die grosse mauer...

...blockt meinen blog. und bis ich mein liebster ein groesseres loch als dieses gegraben hat, gibts erst einmal keine regelmaessigen postings. aber: mir gehts gut, und beijing gefaellt mir. bis bald!

Donnerstag, 1. Oktober 2009

"trust me - i think dada"

zwei wochen als hilfsenglischlehrerin - jede menge spass, viel albernheit und gelaechter, eine palastrevolution und arge zweifel an meiner berufung. als werber, nicht als lehrer. lehrer geht...

5 volunteers for peace aus aller welt (schweiz, fankreich, hongkong, usa und deutschland) trafen sich in der mongolei, um den kindern eines waisenhauses zwei wochen englischnachhilfe zu geben. dachten sie.

doch bereits die adresse der unterkunft war anders als in den unterlagen: statt in einem appartement downtown wurden wir per oeffentlichem bus in die outskirts verlagert, und zogen in eine voellig unmoeblierte zweiraumwohnung im achten stock einer idyllisch heruntergekommenen plattenbausiedlung. da wohnten nur schon 10 mongolische studentinnen. die quetschten sich ins wohnzimmer (erkennbar am fernseher). im anderen zimmer schlugen wir also auf 14 qm unser matratzenlager auf. ein glueck, dass unsere 6. frau kurzfristig absprang, die sechste matratze haetten wir unmoeglich unterbekommen - workcamp kommt von camping.

auch der beginn der zwei wochen war offenbar flexibel zwischen donnerstag und montag. und so hatten wir erstmal ein wochenende zeit zum sightseeing und um uns an die enge und an die stadt zu gewoehnen. der schneesturm tat sein moeglichstes, um uns im haus zu halten - aber wir haben die zeit gut genutzt zu einem internationalen kochfestival (an tag zwei kam eine zweite kochplatte, teller und gabeln - wir sind ja bescheiden)

die wohl groesste "ueberraschung" war aber, das wir nicht im waisenhaus nachhilfe geben, sondern in einer mittelschule in einem mittelklasse-viertel das nachmittags-spielprogramm bestreiten sollten, da die waisenhaus-kinder noch mit einer japanischen volunteer-truppe zum ernte-einsatz auf dem land waren. aha...

offenbar geht es hier gar nicht um englisch lernen, sondern ums geld verdienen - der participation fee, der zur deckung von karger kost, kargem logis und hier offen gestanden auch karger organisation gedacht ist, ist doppelt so hoch wir sonst ueblich, und entspricht einem mongolischen monatseinkommen. hmmmmm.

ich bin von mongolischem organisation- und improvisationstalent ja schon einiges gewoehnt, aber da kamen uns dann doch irgenwann zweifel am sinn der veranstaltung und der redlichkeit der mongolischen partnerorganisation. eine palastrevolution spaeter waren wir am anfang der zweiten woche in einem normalen appartement und hatten gelegenheit, den geschaeftsfuehrer zu befragen - und ueberraschung, es gibt fuer alles immer gute gruende: unser eigentliches appartement ist ein leihgabe eines auslandsmongolen, der dummerweise just zu dem zeitpunkt, als wir ankaman, spontan heimflog und dort uebernachten wollte. und unsere 160 euro sind das jahreseinkommen der studentinnen - allesamt ehemailge des staatlichen waisenhauses, die mit 18 ausziehen muessen, und die mit dieser unterstuetzung der volunteer-organisation zum beispiel englisch studieren koennen. und um das nicht zu schmaelern, haben sie uns aufgenommen. haetten sie ja auch gleich sagen koennen, oder?
jedenfalls waere uns die motivation sicher floeten gegangen, wenn wir nicht soviel spass mit den maedles in der schule und in der wohnung gehabt haetten.

erschuetternd ist das schon - die englischlehrinnen hier sind ehemalige russischlehrerinnen mit einem zweimonatigen aufbaustudium englisch. und um mit uns zu kommunizieren, brauchen sie einen uebersetzer. von den 25 kindern, die freiwillig an unserem englisch-nachmittagsprogramm teilnahmen, waren 5 besser als die lehrer (die hatten privatunterricht oder ein auslaendisches elternteil), und 10 waren trotz 4 jahren englischunterricht nicht mal in der lage, einen fastsatz wie "hello, my name is oona, i'm 15 years old" ohne schriftliche vorlage aufzusagen.
wie viel sinnvoller waere es, einen zweiwoechigen gratisworkshop mit den lehrern abzuhalten!
aber fuer solche workshops wuerden sich keine volunteers finden, sagte uns baatar, denn volunteers wollen waisenhaus.
alles eine frage der werbung.
autsch....

jedenfalls wurden wir von den 25 schuelern, allesamt ca 15 jahre alt, begeistert aufgenommen, und wir haben uns alle erdenklich emuehe gegeben, ein paedagogisch halbwegs wertvolles nachmittagsprogramm abzuliefern - da kam uns sicher zur hilfe, dass matilde aus einem kleinen franzoesischen ort an der schweizer grenze im wahren leben in einem kinderhort als paedagogin arbeitet, dass faboila aus zuerich schon gefuehlte 17 workcamps dieser art mitgemacht hat, das lindsay aus seattle als sozialarbeiterin keine angst vor gar nichts hat und jeden schmarrn mitmacht und das oscar zwar aussieht wie ein mongolischer lausbub, aber in wahrheit eine pastrychefin aus hongkong mit haudrauf-humor ist. und dass ich mit brille eben einfach aussehe wie eine grammatik-lehrerin.


wir haben uns also ins zeug gelegt, jeden tag eine neues teenager-gerechtes thema serviert (von shopping ueber mode und klamotten, von "reden ueber gefuehle" bis zu backstreet-boys songtexten.), gewurzt mit albernen merk, sprech- und rollensspielen (stadt land fluss ist viel paedagogischer als ich dachte) und gekroent vom taeglichen highlight, dem mit charmant franzoesischem akzent moderierten werwolf-spiel. also zumindest als hortkraft koennt ich arbeiten, wenn die buchwerbung und ich nicht wieder zusammen finden (was ich aber auch noch nicht ausschliessen wuerde)

zwischendrin gab es ein wirklich wunderbares wochenende, an dem wir mit hilfe eines verschrobenen hollaenders aus der stadt gefluechtet sind - kaum waren wir im terelij natoinalpark aus dem minibus geklettert, durften wir einen pferdekarren besteigen, der uns durch sieben fluesse bis in ein idyllisch gelegenes ger-camp befoerderte.
und drei kilometer hinter dem ger ist: nichts. in einem drei kilometer umkreis.
gar nichts. nur steppe.
puh - mir war vorher gar nicht klar gewesen, wie sehr mich ulaan baatar unter druck gesetzt hatte - all der laerm, der dreck, der verkehr, das ewige hupen, die staendige (berechtigte) angst vor taschendieben, die enge... ich hab vor glueck fast geweint.

der rest des wochenende verging mit schlemmen und reiten und ratschen und spielen und wandern und reiten (da koennte ich mich schon dran gewoehnen)
und als wir sonntag abend zurueck mussten, war uns ganz klamm ums herz.
und der rest der woche in der schule verging im flug (u.a. dank palastrevolution - und weil mich eine durch die japanischen volunteers eingeschleppte grippe umwarf.) - und zum abschieb gabs von den schuelern eine typisch mongolische modenschau mit mongolischem snack (getrocknetem gesuesstem angesauertem querk - brrrh), viel gesang, heissen abschiedstraenen und herzzerreissende abschiedskarten, die sehr sorgfaeltig geschrieben wurden und vor fehlern dennoch nur so strotzen.

bert, dem hilfsbereiten hollaender, verdanken fabiola, lindsay und ich auch unseren naechsten trip: morgen fruh geht es mit khorloo, unserem neuerworbenen freund, uebersetzter und fahrer nocheinmal in richtung westen, bis in den tsaigan nur national park, nach karkorum und auch nach aivagkher, wo wir die buecherbruecke-bibliothek besuchen wollen.
khorloo jedoch ist genauso ein schlitzohr wie alle anderen fahrer dieser welt und besonders der mongolei. dank harter verhandlungen und haufiger erwaehnung des namens bert (einmal hab ich sogar drohend mein telefon gezueckt) konnten wir ihn schlussendlich zu einem anstaendigen preis festnageln, aber welche abenteuer uns bevorstehen, davon werde ich beim naechsten mal berichten.
und dann hab ich auch zeit, die fotos hochzuladen, versprochen! (erledigt)

Samstag, 19. September 2009

unwetterwarnung fuer ulaan baatar


da war ich wohl doch zu schnell - von wegen hier ist der himmel immer blau.
es schneit!
temperatursturz von bequemen 26 grad auf minus 3 - die mongolei dreht durch, angeblich steht uns das schlimmste septemberwetter seit 15 jahren bevor und sogar mobilfunkanbieter warnen ihre kunden per sms davor, dieses wochenende aus dem haus zu gehen (und empfehlen, mit freunden und familie doch lieber zu telefonieren... )
ich hab es mit meinen 5 volunteer-kolleginnen immerhin bis ins dinosaurier-museum geschafft, aber jetzt verkruemeln wir uns mit unseren vorraeten in den geheizten plattenbau, wo wir mit 4 mongolischen studentinnen eine kahle zweiraumwohnung behausen. matten gibt es, schlafsaecke haben wir, und der einen kochplatte konnten wir gestern schon spagetti bolognese entlocken. was mir auch nicht so klar war: workcamp kommt vom camping.
gutgelaunt und ein bisserl angefroren :-)

Mittwoch, 16. September 2009

mongolei - ulan baatar und drumherum

"wer sich beeilt, friert" sagt ein mongolisches sprichwort - und beeilen macht hier vor ort auch gar keinen sinn, die dinge scheinen ihre eigene zeit zu haben.. und wenn man sich dem tempo brav anpasst und sich treiben laesst, kommt die entspannung ganz von alleine...

vor fast zwei wochen bin ich in ulan ude in den zug gestiegen und ueber nacht in nach ulaan baatar, die haupt- und ueberhaupt stadt der mongolei gefahren.
vorher hab ich mir noch von russischen schlawinern beim in den bus steigen die funke klauen lassen, und nach dem hilfreichen einsatz meiner wunderbaren gastgeber tania und vldimir, einem russisch/buriatischen und damit christlich/buddhistischen ehepaar, die ein guesthouse ausshalb der stadt betrieben und mir sehr ans herz gewachsen sind, war dann auch irgendwann die karte gesperrt und eine anzeige aufgegeben (darauf bestanden die beiden).

am naechsten morgen habe ich auf dem schwarzmarkt noch einen 80cent wecker erbeutet, damit ich beim zugfahren nicht vollends aufgeschmissen bin. die zuege naemlich verkehren in russland komplett nach moskau-zeit, und mit der zeitverscheibung nach sibirien und der zeitzurueckverschiebung in die mongolei und den insgesamt sieben stunden aufenthalt an irgendwelchen grenzposten, zu denen man besser wach ist um die siebzehneinhalb formulare auszufuellen ... jedenfalls wollte ich eine uhr, und mit der bin ich dann in den zug gestiegen und hatte, wunder ueber wunder, ein ganzes abteil fuer mich alleine.

beim ersten halt am russischen grenzposten wurden die vodka und wasservorraete aufgefuellt und wir koestlich unterhalten von einer norwegischen chorreise, die den bahnsteig mit grandprix hits beschallten - jeder wurde gefragt, woher er kam, und mir wurde "lass die sonne in dein herz" vorgetragen... hach. noch schoener war nur, wie die russen sich ueber ihr geschenktes lied gefreut haben!
danach wurden wir zur passkontrolle wieder zurueck in den zug verfrachtet, und das grauen nahm seinen lauf. vodka gabs viel, wasser auch - aber ab da war fuer die kommenden sechs stunden die toilette gesperrt. frauen am rande des nervenzusammenbruchs....

beim aufwachen: steppe. jurten. rauhreif auf jedem grashalm. und die sonne kam durch. mongolei!
ich wollte sofort aussteigen, bin dann aber doch noch nach ub gefahren, um mir ein handy und eine mongolische telefonkarte zu besorgen, hat prima geklappt. und fuer alle, die jetzt haemisch grinsen, weil ich nicht ohne funke sein kann: keiner kann in diesem land ohne funke sein; es gibt naemlich faktisch kein festnetz. aber in fast jeder jurte ein handy, das notfalls ueber die solarzelle des 5 km entfernten nachbarn geladen wird. mongolen sind sms-suechtig. und sie wissen uebrigend ueber deutschland neben fussballernamen gerne, dass unsere kanzlerin auch gern sms schreibt.
apropos: festnetz gibts keins, postzustellung auch nicht - und der versuch, meine briefwahlunterlagen postlagernd ans hauptpostamt ulaan baatar zu senden, muss auch als gescheitert betrachtet werden. wenn also einer der chronischen nichtwahler unter meinen freunden mir den gefallen taete, diesmal da hinzuschlappen und an meiner stelle gruen zu waehlen? gerne auch mehrere... danke!!

ich bin also nach erfolgreichem handykauf direkt wieder in den zug gesprungen und zurueck zur russischen grenze, wo martin und minjie eine farm betreiben und gaestejurten haben. immerhin wollte ich hier ja reiten lernen!
diese farm ist zwar sehr untypisch fuer die mongolei, aber zum eingewoehnen und zumindest die gruendzuege der sprache lernen wars klasse - und neben ersten schritten auf dem pferd habe ich aus versehen sogar den grundkurs milchwirtschaft abbekommen, inklusive melken, pasteurisieren, sahneschoepfen, quark pressen und kaese trocken. sogar die nachwirkungen des schlachttages .... zum glueck graust es mir ja vor nix.
fuer alle die sich nun fragen, ob ich auf cowgirl umsattle: nein.
vier tage vergingen im flug - die stunden hier sind nicht nur unterschiedlich lang und breit, sonder auch schnell vertratscht. ausser dem melkstress morgens und abends wird naemlich landesweit viel wert auf pause gelegt. man trinkt sich mit halbvergorener stutenmilch ein mittagsraeuschchen an, doest und kloent ein wenig und schon ists wieder zeit, die viecher zusammenzusammeln.


einen ausflug zum kloster amarbayasgalant gabs dazwischen - doch weil es hier als schlechtes omen gilt, vorab zu fragen, wie weit was weg ist und was wie lange dauert, fand ich mich mit meinem wackeren fahrer auf einem vierstuendigen ritt ueber schotterpisten inmitten der wirklich atemberaubendsten landschaft, die mir bislang begegnet ist. leider laesst sich diese fotografisch bislang von mir nicht einfangen, vielleicht kann ich es aber beschreiben: eine schotterpiste laeuft wie die gischtspur eines bootes durch ein endloses meer aus mal kleinen, intensiv duftenden krautern, mal langem, schon gelbem harten gras. die sanften huegel wirken wie seegang, dann und wann ein fels, um den das gras sich bauscht wie brandung - am rand sind berge zu erkennen. darueber ein blitzblauer himmel mit einzelnen, schell reisenden wolken, deren schatten uber das grasmeer fliegen. immer wieder kleine weisse punkte, die beim naeherkommen zu jurten werden - und eine herde halbwilder pferde.
das kloster hatte dann natuerlich auch schon "technische pause" als wir ankamen, aber die fahrt und das gemeinsame abwechselnd das autoradio uebersingen gehoert sicher zu den highlights. meine fassung von "dsching, dsching, dschingis khan" kam ziemlich gut...
gsungen wird hier ueberhaupt gerne. zeit fuer ein deutsches sprichwort: "wo man singt, da lass dich nieder, ..."

dann ging es singend per sammeltaxi zurueck nach ulaan baatar. das war das sprichworttaxi - mit der netten englischlehrerin auf dem beifahrersitz, die zwischen mir, dem fahrer und den zwei polizisten, zwischen denen ich auf der rueckbank eingeklemmt war, uebersetzt hat. leider wars so wackelig, dass meine mitschreibversuche nur in teilen zu entziffern sind .
hier in ub gabelte ich in einem guesthouse zwei hollaender auf, die ich mit sanfter gewalt dazu ueberreden konnte, nicht die 4days/3 nights tour des guesthouses zu buchen, sondern mit mir zu ger to ger, einem social community based tourism project, zu laufen, und dort nach einem zweistuendigen vorbereitungskurs ueber nomadenleben, benimm und sprache eine nomadenvertraegliche abenteuertour anzutreten.
da es an diesem tag in der stadt schon grausig kalt war, haben wir uns auch erstmal auf dem schwarzmarkt mit langer unterwaesche eingedeckt - aber zum glueck ist es nur nachts kalt, tagsueber scheint die sonne vom immer blauen himmel und macht gute laune, auch wenn der wind mal schaerfer weht. es brauchte ein paar tage, bis ich mich da dran gewoehnt hatte - ich muss nicht mehr bei jedem sonnenstrahl schnell raus ins freie, das wetter ist hier wohl dauernd schoen.

ger to ger - das ist uebernachten bei gastfamiliene und weiterreise mit deren transportmittel (also kamel, pferd, ochsenkarren) - und dazwischen einfach mal gucken, wie das so ist...

eigenwillig ist das. zum einen sind das natuerlich keine touristikunternehmer, sondern schaf- und ziegenzuechter, die sich mit den ger-to-ger-gaesten ein dringend benoetigtes zusatzeinkommen verschaffen - und da gibt es durchaus momente, wo ich mich als stoerfaktor fuehlte.
dann ist die verstaendigung wirklich schwierig, man hangelt sich auf beiden seiten so am phrasebook entlang und spricht doch alles falsch aus. die schoenen erfahrungen aber machen das wett - wenn wir vor dem abendlichen melken mit den soehnen ausgezogen sind, um die herde zu suchen, und sie dann in den pferch zu treiben - oder beim kochen, oder spielen mit den kindern - da funktioniert kommunikation ganz ohne worte.

bis auf das unvermeidliche handy herrscht einfach finsteres mittelalter, was hygiene und komfort angeht. fliegen und schafkoettel ueberall. und dazu wassermangel...
nach der morgentoilette (die im wesentlichen aus einer haar- und einer zahnbuerste besteht und nicht etwa in einer badezimmerjurte oder ueberhaupt in der jurte, sondern hinter dem naechsten huegel stattfindet) wird mein kleiner zivilisationsluxus der feuchten tuecher saeuberlich verbrannt... ueber die tatsache, das man hier kein toilettenpapier verwendet, mag ich gar nicht nachdenken. aber wie so vieles hab ichs wohl einfach noch nicht aus dem richtigen blickwinkel gesehen - vielleicht riechen nomadenmaedchen nur nach veilchen und honig, weil ihre diaet nur aus milch und fleisch besteht???



die transfers und ausfluege hingegen waren wunderbar - auf kamelen zu einer heiligen pferdebegraebnisstaette, im ochsenkarren in die duenen und dort, tatsaechlich, bringt mir ein hutzelmaennchen, das in wahrheit auch erst vierzig ist, reiten bei. naja... zumindest auf sand ohne steine dazwischen fanden das pferdchen und ich galopp gut. der mongolische trab hingegen ist auf einem mongolischen holzsattel nicht fur mich gemacht. ein glueck ist hier schon strumpfhosenwetter - meine mit blauen flecken gesegneten beine waeren eine zumutung fuer die sehr schicken staedter hier.
aber spass machts schon :-)

auf der rueckfahrt dann bin ich zufaellig jemanden begegnet, von dem ich in deutschland schon gelesen hatte - und den ich unbedingt kennen lernen wollte: dem gruender und organisator der buecherbruecke. die haben im letzten halbjahr einen container voller englischer schul- udn kinder und jugendbuecher gesammelt und in einer kleinen kreisstadt, mit der sie schon seit ein paar jahren pfadfinderaustausch betrieben, eine leihbibliothek aufgebaut.

seit gestern bin ich nun wieder in ulaan baatar, beantworte emails, lade fotos hoch (wer auf picasa mein freund werden will: frauandreafischer) guck mir ein museum am tag an und bummel ein bisschen, bevor freitag das voluntary projekt in einer secondary school anfaengt. freu mich schon sehr da drauf, und werde berichten - aber auf der anderen seite wuerde ich gerne auch oona und ihre buecherei bsuchen, und noch sooo viel sehen hier.
ich glaub, ich versuch morgen, meinen zug nach peking nach hinten zu verschieben und mein visum zu verlaengern.

"solange der vater gesund ist, lerne menschen kennen. solange dein pferd stark ist, reise und lerne orte kennen" sagt ein anderes mongolisches sprichwort. mit meinem vater hab ich eben telefoniert, dem gehts prima. pferd hab ich keines - aber solange mein konto noch gesund ist, bin ich unterwegs....

wie es mir mit einer mongolischen horde englisch-schueler geht, wann die reise wohin weitergeht - bald mehr. so in ca zwei wochen.

bis dahin liebe gruesse und schoene wiesn!

Freitag, 4. September 2009

irkutsk - olchon - ulan ude

((ich weiss, das gehoert sich nicht - aber ich habe diesen post nochmal editiert. mir sind zuviele sachen eingefallen, die fehlen... nicht nur die fotos. und zuviele fehler aufgefallen. muss ich muede gewesen sein...sorry !) )

erst transsib, dann transbaikalien - vor ein paar wochen noch haette ich nicht genau gewusst, wo ich das auf der weltkarte suchen soll. und jetzt waren wir da, am baikalsee.
gross, tief, blau, schamanisch verklaert, wunderschoen und (ja, auch das) kalt.


zuallererst und zur ehrenrettung muss ich meinen ersten eindruck von modischen fehltritten in irkutsk korrigieren - kaum naemlich hatte ich den letzten post gepostet, fand ich mich nach dem bummel uber die fein herausgeputzte ul. karla marksa an der uferpromenade zwischen lauter wirklich huebschen und eindrucksvoll gut angezogenen menschen wieder, die (und das war dann der gruselige teil) am samstagabendprogramm der putinschen nationalisten teilnahmen:
erst wurde von einem kampfanzugtrager auf patriotismus eingepeitscht inkl. flaggenschwenken und russlands-faehnchen zum anbinden, dann gaben offenbar sehr beliebte jugendliche anzugtraeger ein open air konzert. uns wars mulmig und wir sind mal weiter an der angara entlang spaziert. und zwei ecken weiter fanden wir uns inmitten alter sibirischer holzhaeusschen wieder, die nun wirklich runtergekommen waren. schon kontrastreich...

diese huebschen, alten, bestimmt denkmalgeschuetzten holzhaeuser brennen uebrigens gerne mal ueber nacht aus. ob das immer unfall ist? an einer noch schmauchenden ruine jedenfalls kam wir vorbei, und betroffen wirkte da niemand ...

wir haben von irkutsk aus einen sehr schoenen ausflug in ein etnografisches freilichtmuseum gemacht, sind zwischen vor den fluten des staudamms geretten kosacken-blockhaeusern und burijaten-holzjurten herumgestromert und ich konnte die kulisse fuer den countryside-teil von anna karenina aufsaugen. dieses buch zog sich ewig, sei an der stelle gesagt.
echter
e-reader nachteil: du merkst mangels gewicht erst gar nicht, dass du dir so einen schinken ans bein bindest.
und im anschluss haben wir noch den beliebten ausflugsort listvianka besucht. der schoene teil: stilecht am strand raeucher-omul mit den fingern essen. der weniger schoene teil: der beliebte ausflugsort listvianka ist genau das: eine budenstrasse am see.

bin doch froh, dass wir in irkustk in dem schoenen bisnis-hotel eine nacht verlaengert haben. noch dazu, weil die nur im upgrade auf die suite moeglich war. walzertanzen im salon war das mindeste, was wir rucksacktouristen da tun konnten, um den mangel an ballkleid und louis vuitton kofferset auszugleichen. da macht auch der regenmontag nix mehr, an dem wirklich alles geschlossen hatte - ausser dem ausrangierten eisbrecher, der vor fertigstellung der baikalbahn im sommer passagiere und gueter der transsib uber den see transportiert hat (im winter haben sie zwei jahre lang einfach die schienen uebers eis gelegt! )


als nachstes ging es auf die insel olchon. da der kreuzfahrtdampfer leider gerade in der inspektion war, sind wir wieder in die realitaet ab- und in einen rappelvollgepackten minibus eingestiegen. und 6 stunden spaeter konnten wir dann unserere verknoteten beine auf einem wunderschoenen sonnenuntergangsspaziergang zum ufer vertreten und sie schliesslich auf der harten pritsche wieder ausstrecken. (und weil andrea andrea ist, sind wir am naechsten tag nochmal umgezogen in ein huebscheres, helleres, saubereres zimmer, aber ab da war es dann traumhaft. die “nimm nie das erste zimmer”- regel gilt nicht nur in italien und indien...)

highlights der nachsten 5 tagen waren zweimal der sprung in den baikal (jawoll!) lange strandspaziergaenge, wilde fahrten ueber noch wildere pisten, heitere horsebackriding-versuche (was mir sehr leid tat: mein pferd hatte blaehungen und war nicht zu bewegen, in der herde mitzulaufen – vielleicht aus hoeflichkeit den anderen gegenueber? oder das arme viech war einfach alle – kein wunder, ich haette auch nicht mit bauchweh reiten wollen…)
und dann noch: viel blinis mit kronsberen-marmelade, viel fisch (omul in allen denkbaren zubereitungsformen) und abends in die banya.

der einzige gruselmoment war die illegale muellkippe hinter dem ort. heineken hat der insel zwar eine generalentruempelung und ein muellsammelsystem zu selbstkosten spendiert, deswegen ist es auch schoen sauber - aber offenbar koennen es ein paar nicht lassen und nehmen die 1000 rubel strafe in kauf. und so sieht es dann ueber die flaeche eines fussballplatzes im wald aus.

der schoenste platz der insel ist aber sicherlich vor dem ort an der kueste - der schamenfelsen. zugang fuer frauen gesperrt, zuviel meannliche energie laut den schamanenregeln, und uberhaupt ist weibsvolk unrein. an solche regeln haelt sich die brave kulturreisende ja: ich habe also robert mit kamera ruebergeschickt - um dann festzustellen, dass der blick vom ufer aus tausendfach schoener ist. da sollen sich die herren schamanen ruhig auf der insel in szene setzen ...
urlaub in sibirien hat was - nicht zuletzt wirklich beeindruckende landschaft und lichtverhaltnisse. meine neue kamera hat sich gefeut…


danach ging es weiter nach ulan ude, die hauptstadt burjiatiens und schon ziemlich mongolisch. was mir sehr gefaellt. kleine stadt, viel volk auf der strasse – besonder schoen wars am ersten september, dem ersten schultag, als sogar studentinnen als schulanfaengerinnen verkleidet duch die strassen zogen – was im wesentlichen bedeutet, dass sie zu weissen blusen, struempfen und schleifen im haar schwarze kleidchen in kindergroesse und die unvermeidlichen killerheels tragen. aber es gab auch die punk und emo-variante…



wir wohnten hier in ulan ude wirklich spektakulaer: im 11. stock des vormals ersten hotels am platze, einem charmanten sovjet-bunker mit blick auf den 5 meter hohen leninkopf am sovjetskaja-platz. dort wird tagtaeglich fuer das spektakel zum stadtgeburtstag aufmarsch und baenderturen trainiert - eigenwillige zeitreise…

tagsueber haben wir ein buddhistisches kloster besichtigt, in dem der fuer russland zustaendige oberlama residiert, und in dem ein eingesalzer lama aus den dreissigern demnaechsst ganz gross als meditationswunder ausgestellt wird, und noch ein freilichtmuseum (ja, da hab ich ein liking fuer. nein, ich war noch nicht im markus waasmeier museum. ja, ich komm mit - nur falls einer fragt). und meine leibspeise der woche sind riesen-pelmeny. buriatische fleischpflanzerl im nudelteig – lecker! ich hab mir sagen lassen, dass die in der mongolei oefter kommen.


aber dann hiess es gestern abschied nehmen: ich musste meinen liebsten ins flugzeug setzen, denn der will lieber nach korfu und serbien zu seinen physikern-spielkameraden als mit mir in die mongolei (na, so kann man das vielleicht nicht sagen)
jedenfalls fehlt mir mein sputnik. das heisst eigentlich naemlich reisebegleiter und gefaehrte ....
jetzt hab ich noch eine nacht in ulan ude, morgen mittag steig ich in den zug und uebermorgen wach ich in der mongolei auf.

mehr von meinem nomadenleben und meiner reise zu den mongolischen nomaden gibts an dieser stelle in voraussichtlich zwei wochen, dann beginnt das volunteer-camp in ulan baatar.

bis bald und moege der himmel ueber euch immer blau sein!