Samstag, 22. August 2009

muenchen - st.petersburg - moskau - irkustk

gerade bin ich aus dem zug geklettert nach ueber 90 stunden bahnfahrt von moskau bis irkutsk, die ich grossteils mit der nase in meinem sony reader bei anna karenina verbacht hab. (dank nochmal an die kollegen!) .

dazwischen gabs bahnsteigbesuche zum erwerb von ueberraschungs-piroggen (offenbar gibts 17 verschiedene ausdruecke fuer hackfleisch, oder meine fremdsprachenlernfaehigkeiten sind echt verkuemmert ...), den gelegentlichen "deutsch - englisch - russisch - alle wild gestikulierend"-plausch mit unserer abteilmitbewohnerin baba evalina, einer reizend grell geschminkten sibirischen oma, schuechternen spanischen medizinstudentinnen und einer bande daenen, die dann auch endlich fuer den ersten wodka gesorgt haben.

verstaendigung und russisch ist, wer haette das gedacht, gar nicht so einfach, und es scheint der freundlichkeit enorm zutraeglich, wenn dein gegenueber nicht denkt, dass du amerikaner bist. also starte ich inzwischen mit russischen hoeflichkeitsfloskeln und falle dann ins deutsche ... sehr ungewohnt. ich habe inzwischen zumindest gelernt, wie man welchen buchstaben ausspricht - das macht das entziffern von speisekarten und busfahrplaenen erheblich einfacher, und in der mongolei schreibt man ja auch kyrillisch... aber ich ertappe mich wie ein abc-schuetze staendig beim halblaut vorbuchstabieren eines schildes oder irgendwelcher beschriftungen, und ein paar mal hatte ich durchaus das gefuehl, mein umfeld haelt mich fuer einen analphabeten, wenn nicht sogar fuer ziemlich bloede ...
auch wenn die menschen und ihre gesten und mimik vertraut aussehen (im gegensatz zu zum beispiel indien), ist russland doch ziemlich... anders. viele sehr herzlich, sehr hilfsbereit - und ebenso viele gleichgueltig, abweisend oder geradezu garstig. uber die servicewueste deutschland jedenfalls wird nie mehr gejammert, versprochen :-)

gestartet sind wir in sankt petersburg, und das war wirklich beeindruckend. kann ich nur empfehlen fuer ein staedtereise, diese stadt alleine waerr das absurde theater mit dem visum schon wert gewesen. wir haben viel zeit mit zarengold, eremitage, maerchenprinzessinnen-architektur und vergoldeten-softeis-kathedralen verbracht, und sehr nett bei einem puppenspieler gewohnt.
von vladi, der vor seiner karriere als strassenmusiker mal fernsehjournalist war, aber sich angesichts der noetigen freiwiligen selbstzensur offenbar nun aufs tingeln verlegt hat, haben auch wir viel uber die lebensumstaende in petersburg erfahren - sehr spannend, aber auch beaengstigend. da bin ich doch gerne im elfenbeinturm muenchen daheim.... und wir sind irrsinnig viel gelaufen - meine fuesse haben irgendwann regelrecht schlapp gemacht, aber die konnten sich ja nun im zug erholen. und im venedig des nordens kann man ja zum sightseeing irgendwann ins boot umsteigen, oder mit endlosen rolltreppen tief unters wasser fahren und die metro nehmen. petersburg gefaellt mir...

moskau hingegegen hat mich dann vergleichsweise auf dem falschen fuss erwischt. die innenstadtstadt in ihrem absurden angeber-dolcge&gabbana-glitzer hab ich nicht begriffen, zu gross, zu laut, zu weitlaeuffig - einfach zu viel fuer mich. vielleicht hat aber auch unsere gastgeberin erin, die eigenwillige katzenmutter und englischlehrerin recht, und moskau kann man nur im winter kennenlernen....
wir jedenfalls suchten nach kreml, kathedralen und stalins achitektonischer zuckerbaecker-wohltaten erholung und entspannung im gorki park, der aber nur ein dauerjahrmarkt und uberhaupt gar kein bisschen park mehr ist. das war aber dann auch sehr lustig, ich hab mal dem oktoberfest-entzug vorgearbeitet. beim naechsten park-anlauf haben wir dann ein russisches disneyland im aufbau entdeckt - ein riesiger souvenir und kitsch-markt, der in einem wilden stilmix-mini-kreml aufgebaut ist. leider war das meiste noch zu, aber das wird bestimmt der renner unter bustouristen. (und wenn ich ehrlich sein soll, ich wuerde da ja direkt auch nochmal hin...)

von moskau aus ging es dann, eingedeckt mit proviant und bordlekture, in die transsibirische eisenbahn, die wesentlich komfortabler und ziviliserter war als ich befuerchtet hatte - alles neu und blitzsauber, die teilweise ziemlich freundliche wagenschaffnerin kam einmal taeglich zum durchsaugen und hat sogar mal alibi-staubgefeudelt. die blinis und piroggen vom bahsteig waren lecker, die gesellschaft haette besser nicht sein koennen (der mitbewohner de luxe und ich halten es also nicht nur auf 78, sondern auch auf 4 qm aus...), die aussicht war huebsch aber nicht zu fesselnd (links wald, rechts wald. oder: links steppe, rechts steppe. oder: links dorf, rechts dorf) , so dass genug zeit sum lesen und ratschen blieb, und von der zeitverschiebung hab ich vor lauter faulsein gar nichts gemerkt.

vier tage spaeter sind wir heute morgen in irkutsk angekommen, das schon ziemlich nach dran ist am klischee einer russischen provinzmetropole: verwitterte alte holz-architektur verziert mit neuen neonschildern, betonpracht mit aufmunternden wandgemaehlden und neubauten mit spiegelglas in bleu. auf der strasse hutzelige gemuese-omas, falsche blondinen in stilettos, ballonseiden-pjs mit vollvergoldeten schneidezaehnen und das unverzichtbare lenindenkmal.

modisch gesehen ist diese reise wie erwartet eh ganz gross, die russin von welt traegt offenbar, so sie unverheiratet, weissblond, doppelt makeup, killerheels und minirock. immer. auch beim baecker. (vor allem die schuhe haben mich beeindruckt. wahnsinn angesichts des eher berliner trottoirs und der tatsache, das das ein- oder umsteigen in der metro oder auch der weg zur naechsten haltestelle irgendwie immer gefuelte 3.5 km fussmarsch treppauf, treppabb bedeuten). sobald madame vom markt ist, werden die schuhe aber sichtlich bequemer und das minirock-ensemble gegen die bequemhose mit pailletenshirt getauscht. der russe vom welt hingegen traegt enge t-shirts, sandalen mit socken und, ganz wichtig, herrenhandtasche. die hier aber nicht am schlenkerbendel, sondern ein gerne winzig kleines taeschchen ueber die schulter.
ob ich robert noch zu so einem it-accesoire uberreden kann? ich hoffe nicht....

jetzt werden wir noch die ul. karla marxsa hinunterschlendern und dann sehen wir uns nach was zum essen um - und bald geht es an den baikalsee, wo wir mal ein paar tage pause machen und wirklich urlaub, bevor robert heim und ich die mongolei weiterreise. und dann meld ich mich auch irgendwann wieder, versprochen....

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