Freitag, 4. September 2009

irkutsk - olchon - ulan ude

((ich weiss, das gehoert sich nicht - aber ich habe diesen post nochmal editiert. mir sind zuviele sachen eingefallen, die fehlen... nicht nur die fotos. und zuviele fehler aufgefallen. muss ich muede gewesen sein...sorry !) )

erst transsib, dann transbaikalien - vor ein paar wochen noch haette ich nicht genau gewusst, wo ich das auf der weltkarte suchen soll. und jetzt waren wir da, am baikalsee.
gross, tief, blau, schamanisch verklaert, wunderschoen und (ja, auch das) kalt.


zuallererst und zur ehrenrettung muss ich meinen ersten eindruck von modischen fehltritten in irkutsk korrigieren - kaum naemlich hatte ich den letzten post gepostet, fand ich mich nach dem bummel uber die fein herausgeputzte ul. karla marksa an der uferpromenade zwischen lauter wirklich huebschen und eindrucksvoll gut angezogenen menschen wieder, die (und das war dann der gruselige teil) am samstagabendprogramm der putinschen nationalisten teilnahmen:
erst wurde von einem kampfanzugtrager auf patriotismus eingepeitscht inkl. flaggenschwenken und russlands-faehnchen zum anbinden, dann gaben offenbar sehr beliebte jugendliche anzugtraeger ein open air konzert. uns wars mulmig und wir sind mal weiter an der angara entlang spaziert. und zwei ecken weiter fanden wir uns inmitten alter sibirischer holzhaeusschen wieder, die nun wirklich runtergekommen waren. schon kontrastreich...

diese huebschen, alten, bestimmt denkmalgeschuetzten holzhaeuser brennen uebrigens gerne mal ueber nacht aus. ob das immer unfall ist? an einer noch schmauchenden ruine jedenfalls kam wir vorbei, und betroffen wirkte da niemand ...

wir haben von irkutsk aus einen sehr schoenen ausflug in ein etnografisches freilichtmuseum gemacht, sind zwischen vor den fluten des staudamms geretten kosacken-blockhaeusern und burijaten-holzjurten herumgestromert und ich konnte die kulisse fuer den countryside-teil von anna karenina aufsaugen. dieses buch zog sich ewig, sei an der stelle gesagt.
echter
e-reader nachteil: du merkst mangels gewicht erst gar nicht, dass du dir so einen schinken ans bein bindest.
und im anschluss haben wir noch den beliebten ausflugsort listvianka besucht. der schoene teil: stilecht am strand raeucher-omul mit den fingern essen. der weniger schoene teil: der beliebte ausflugsort listvianka ist genau das: eine budenstrasse am see.

bin doch froh, dass wir in irkustk in dem schoenen bisnis-hotel eine nacht verlaengert haben. noch dazu, weil die nur im upgrade auf die suite moeglich war. walzertanzen im salon war das mindeste, was wir rucksacktouristen da tun konnten, um den mangel an ballkleid und louis vuitton kofferset auszugleichen. da macht auch der regenmontag nix mehr, an dem wirklich alles geschlossen hatte - ausser dem ausrangierten eisbrecher, der vor fertigstellung der baikalbahn im sommer passagiere und gueter der transsib uber den see transportiert hat (im winter haben sie zwei jahre lang einfach die schienen uebers eis gelegt! )


als nachstes ging es auf die insel olchon. da der kreuzfahrtdampfer leider gerade in der inspektion war, sind wir wieder in die realitaet ab- und in einen rappelvollgepackten minibus eingestiegen. und 6 stunden spaeter konnten wir dann unserere verknoteten beine auf einem wunderschoenen sonnenuntergangsspaziergang zum ufer vertreten und sie schliesslich auf der harten pritsche wieder ausstrecken. (und weil andrea andrea ist, sind wir am naechsten tag nochmal umgezogen in ein huebscheres, helleres, saubereres zimmer, aber ab da war es dann traumhaft. die “nimm nie das erste zimmer”- regel gilt nicht nur in italien und indien...)

highlights der nachsten 5 tagen waren zweimal der sprung in den baikal (jawoll!) lange strandspaziergaenge, wilde fahrten ueber noch wildere pisten, heitere horsebackriding-versuche (was mir sehr leid tat: mein pferd hatte blaehungen und war nicht zu bewegen, in der herde mitzulaufen – vielleicht aus hoeflichkeit den anderen gegenueber? oder das arme viech war einfach alle – kein wunder, ich haette auch nicht mit bauchweh reiten wollen…)
und dann noch: viel blinis mit kronsberen-marmelade, viel fisch (omul in allen denkbaren zubereitungsformen) und abends in die banya.

der einzige gruselmoment war die illegale muellkippe hinter dem ort. heineken hat der insel zwar eine generalentruempelung und ein muellsammelsystem zu selbstkosten spendiert, deswegen ist es auch schoen sauber - aber offenbar koennen es ein paar nicht lassen und nehmen die 1000 rubel strafe in kauf. und so sieht es dann ueber die flaeche eines fussballplatzes im wald aus.

der schoenste platz der insel ist aber sicherlich vor dem ort an der kueste - der schamenfelsen. zugang fuer frauen gesperrt, zuviel meannliche energie laut den schamanenregeln, und uberhaupt ist weibsvolk unrein. an solche regeln haelt sich die brave kulturreisende ja: ich habe also robert mit kamera ruebergeschickt - um dann festzustellen, dass der blick vom ufer aus tausendfach schoener ist. da sollen sich die herren schamanen ruhig auf der insel in szene setzen ...
urlaub in sibirien hat was - nicht zuletzt wirklich beeindruckende landschaft und lichtverhaltnisse. meine neue kamera hat sich gefeut…


danach ging es weiter nach ulan ude, die hauptstadt burjiatiens und schon ziemlich mongolisch. was mir sehr gefaellt. kleine stadt, viel volk auf der strasse – besonder schoen wars am ersten september, dem ersten schultag, als sogar studentinnen als schulanfaengerinnen verkleidet duch die strassen zogen – was im wesentlichen bedeutet, dass sie zu weissen blusen, struempfen und schleifen im haar schwarze kleidchen in kindergroesse und die unvermeidlichen killerheels tragen. aber es gab auch die punk und emo-variante…



wir wohnten hier in ulan ude wirklich spektakulaer: im 11. stock des vormals ersten hotels am platze, einem charmanten sovjet-bunker mit blick auf den 5 meter hohen leninkopf am sovjetskaja-platz. dort wird tagtaeglich fuer das spektakel zum stadtgeburtstag aufmarsch und baenderturen trainiert - eigenwillige zeitreise…

tagsueber haben wir ein buddhistisches kloster besichtigt, in dem der fuer russland zustaendige oberlama residiert, und in dem ein eingesalzer lama aus den dreissigern demnaechsst ganz gross als meditationswunder ausgestellt wird, und noch ein freilichtmuseum (ja, da hab ich ein liking fuer. nein, ich war noch nicht im markus waasmeier museum. ja, ich komm mit - nur falls einer fragt). und meine leibspeise der woche sind riesen-pelmeny. buriatische fleischpflanzerl im nudelteig – lecker! ich hab mir sagen lassen, dass die in der mongolei oefter kommen.


aber dann hiess es gestern abschied nehmen: ich musste meinen liebsten ins flugzeug setzen, denn der will lieber nach korfu und serbien zu seinen physikern-spielkameraden als mit mir in die mongolei (na, so kann man das vielleicht nicht sagen)
jedenfalls fehlt mir mein sputnik. das heisst eigentlich naemlich reisebegleiter und gefaehrte ....
jetzt hab ich noch eine nacht in ulan ude, morgen mittag steig ich in den zug und uebermorgen wach ich in der mongolei auf.

mehr von meinem nomadenleben und meiner reise zu den mongolischen nomaden gibts an dieser stelle in voraussichtlich zwei wochen, dann beginnt das volunteer-camp in ulan baatar.

bis bald und moege der himmel ueber euch immer blau sein!

2 Kommentare:

  1. toll. macht riesenspaß, Deine reiseerlebnisse zu lesen - weiter so, süsse, bin Dein treuer leser ! liebe grüße aus der heimat, felix

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  2. hey rocknrollfelix, schoen von dir zu lesen - liebe gruesse! andrea

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