Donnerstag, 26. November 2009

walking in guilin & guandong - ein-haus-doerfer und hochzeitshoelle in fujian - statt yunnan: auf dem mekong ins gelobte land

nein, die chinesische zensurpolizei hat mich nicht entfernt - statt dessen war ich unbehelligt fuenf tage teil einer hoechst eigenwilligen internationalen gratisgruppenreise zur bewerbung des volkssports in china. oder zur bewerbung zweier 2b-tourist-destinations. oder fuer irgendetwas anderes ... so ganz klar ist mir das immer noch nicht.


jedenfalls war es GROSS. weil jemand es gross haben wollte. und wenn in china jemand mit einfluss etwas gross haben will, dann wird es eben gross gemacht: dann laed man 15 diplomaten aus beijing, 15 chinesische wanderer, 15 zufaellige backpacker und 15 reisefuehrer / sicherheitsbeamte in zwei busse, spuckt sie im regen am haupt- und paradeplatz aus, haengt ein grossplakat auf, zuendet ein papierschnitzelfeuerwerk, laesst einen trupp minority-funkenmariechen samt blaskapelle aufmarschieren und dazu alle sportvereine der stadt spalier stehen, schwingt wichtige oder unwichtige reden - und schon hat man eine tolle erfolgsmeldung samt pressematerial, das in der kontrollierten presse ja auch garantiert gross gebracht wird. weil jemand will, dass es gross wird. punktum.

so fing es an, und wir "aliens" (das ist der hier korrekte fachterminus fuer auslaender - auch beim amt fuer visafragen) waren amuesiert und ein bisschen in sorge. vom nepalesischen botschafter, dem zauberhaften mr. karki, und einigen irritierten botschaftsmitarbeitern aus litauen, rumanien, der tuerkei oder afghanistan, ueber den ehrenpraesident der internationalen volkssport-verbands, mr. volkmer aus grossmehring (jemand schon mal von dem verband gehoert? nein? komisch...) , drei japanischen nordic walking trainern - bis zu einer handvoll backpacker, die china-climb geschaeftsfuehrer dave binnen 5 tagen zu rekrutieren gebeten wurde. ("wenn sie uns diesen gefallen tun, loesen wir ihre probleme mit der chinesischen tourismusbhoerde. ach, sie haben keine probleme mit der chinesischen tourismusbehoerde? jaaaa... wenn sie mit uns zusammenarbeiten, haben sie auch im naechsten jahr keine probleme!" - das ergebnis waren eine handvoll touristen, freunde von dave und mitarbeiter, die neu waren oder seiner ansicht nach bestraft werden mussten)

dann wurden wir wieder in die busse geladen und mit polizei-eskorte samt blaulicht durch den regen in die berge gefahren. wo wir im dorf der langhaar-frauen, das fuer unsere internationale delegation 3 stunden gesperrt wurde, einer wirklich grueseligen touristenshow beiwohnten (die nur dadurch ertraeglich wurde, dass dave sich bei einer fake-hochzeitszeremonie schoen oeffentlich blamieren musste. der typ ist ein ausgewiesener chauvinist und ruepel, der wohl aufgrund fehlender manieren gezwungen ist, im ausland zu leben - ich hoffe, in seiner heimat wuerde er von mitarbeiterinnen am laufenden band verklagt werden. es gibt so einen typ expat in asien, der gehoert gesprengt...)

im anschluss kletterten wir im stroemenden regen die weltberuehmten dargon's backbone reis-terassen hoch zu einem gasthaus, in dem anschliessend feste gefeiert wurde - davon keine beweisfotos aus ruecksicht auf zarte seelen und unser aller ruf.
als wir am naechsten morgen die noch benebelten koepfe aus dem fenster steckten, war da: noch mehr nebel. neiin!

weswegen wir die eigentliche attraktion: die aussicht leider verpasst haben, denn wir mussten schnellschnell wieder den berg runter und zum naechsten highlight. wie schade.

dafuer wurden wir nachmittags mit einer wunderschoenen wanderung mit kleinen bootspassagen entlang des li-rivers in yangshuo entlohnt - das war sehr launig, zumal wir uns (als sportliche herusfoerderung) groesste muehe gegeben haben, die security-hiker zur verzweiflung zu bringen.

einer mit fahne haette vorne laufen sollen, wurde aber staendig von denise und den jungs ueberholt - der mit funkgeraet in der mitte bekam anfaelle, weil mein neuer nepalesischer freund mr. karki und ich immer ausbuechsten, um uns china abseits des wanderwegs anzugucken. und der mit fahne hinten verzweifelte, weil das diplomatenpaearchen aus der turkei auf eigene faust lieber im boot fuhr und er nicht wusste, wo den nun das offizielle hinten war.

begleitet wurde all das von einem bambusfloss mit pressefotografen - doch auch die haben kein komplettes gruppenfoto zustande gebracht.

das versprochene abendprogramm in yangshuu (noch eine show) fiel qua regen gluecklicherweise aus, und musste der arme dave seine und china-climbs hilfe anbieten. und wir alle haben pflichtschuldig nach allerfeinstem abendessen im besten restaurant der stadt auf seine kosten auch noch die bar der lizard lounge niedergekaempft. wandern ist ziemlich ungesund, vor allem fuer die leber. zum glueck konnten wir den kater am naechsten tag wahrend einer 12 stuendigen busfahrt ans gefuehlt andere ende chinas auskurieren - nach zhaoqing. oha! da war ich doch schonmal - wegen der bagua-feng-shui-doerfer! naechster anlauf...

der bus fuhr abends, nach unendlicher fahrt, an einem ueberdimonsionierter luxus-bunker vor, nach chinesischer lesart mit sieben sternen gesegnet. wir haben darauf gehofft, dass die gesamte delegation dort essen darf, und nicht nur die echten vips - und dann durften wir nach einem wirklich fulminanten buffet tatsaechlich alle einchecken.

heiteres ferienlager - und unglaeubiges staunen: wir haben im badezimmer zwei (!) fernseher, einen vor der toilette und einen ueber der badewanne. meine zimmergenossin tamy und ich steigen gleich mal die schicken hoteleigenen (und schoen zuechtigen) haiwaihemd-schlafanzug-badeanzuege und tanzen durch unsere 50 qm suite. und schleichen um mitternacht statt an die bar noch in die wellness-tempel - aber das schaffte meine kamera nicht, schaut statt dessen die webseite mit den kunstvoll hinein-gephotoshopten touristen an.

kitsch kann soooo schoen sein! spritzbetongrotten, plastikpflanzen, pools in unterschiedlichsten temperaturen von lauwarm bis siedend und plaerrende klavierversionen von chinesischen klassikern. sensationell...


der wirkliche wahnsinn aber erwartete uns am tag drauf: auf dem hauptplatzt 20.000 menschen, und einige unserer delegartion mussten fahnentragend auf die buehne - dort boten opernsaenger den eigens komponierten song zur veranstaltung dar, es gab tanz, feuerwerk, noch mehr reden - und im anschluss den "volksmarch" rund um den starlake:

40.000 menschen schieben sich einmal um den see.... wandern im stau scheint beliebt zu sein.
oder vielleicht wollte auch nur jemand die veranstaltung ganz gross haben - wer weiss das schon?
bemerkenswert war , wie wir billig gekoederten jubelperser dann doch alle ein sehr euphorisches grinsen im gesicht hatten und uns sehr vip fuehlten. oder lag es an der euphorie der massen?
meine wuensche nach kulinarischer begleitung jedenfalls wurden vom universum erhoert - zum abschluss gab es noch ein sehr chinesisches mittagsbankett mit 800 ehrengaesten und ballet im hintergrund. jetzt reichts aber auch.

nach einem weiteren feinen essen im hotel und dann endlich ohne wachmannschaft verbrachten wir jubelperser den letzten abend ratschend in den zahlreichen pools, mit in colaflaschen eingeschmuggelten cuba-libre. die hotelbar war aber auch wirklich zu teuer fuer uns schnorrer.
und - puff! - am naechsten morgen ist die klassenfahrt vorbei.
komisches gefuehl, ploetzlich wieder alleine zu reisen - die meisten fahren noch gemeinsam nach yangshuo zurueck, aber ich gebe den bagua-doerfern noch einen versuch, bevor ich weiterreise.


aber erstmal gehts sonntag morgens um 8 ins theater!

die uebersetzer vom vortag (die hatte ich ja noch gar nicht erwaehnt - jeder hatte einen eigenen uebersetzter!) , allesamt englisch studenten, haben mich eingeladen, ihre pronounciation-klasse zu besuchen: zu uebungszwecken werden filme oder theaterstucke in selbstverfassten kurzfassungen dargeboten - unter anderem king lear in 3 minuten, zwei fassungen von cinderella, und eine wirklich sehr sehr lustige titanic-auffuehrung.
im anschluss bekomme ich noch eine fuehrung ueber den campus (hier wohnt man im studentenwohnheim zu viert auf 8 qm...) und in die mensa.

und die maedels geben sich alle muehe, mir einen ausflug in diese vermaledeiten doerfer zu ermoeglichen - doch als wir dann einen taxifahrer haben, der angeblich weiss wo es ist, faengt es in stroemen zu regnen an - und ich beschliesse, den ausflug zu verschieben, jetzt hab ich ja die telefonnummer des taxlers.

aber aufgeschoben ist auf dieser reise aufgehoben - denn als ich nachmittags im luxusbunker meine weiterreise plane und die wettervorhersage pruefe, wird klar, dass ich mir landpartien wegen typhoon erstmal schenken kann ... sollte wohl nicht sein.

die kaltwetterfront erwischt suedchina, und die naechsten tage wird mit nassen fuessen gefroren was das zeug haelt - ich verkrieche mich in guangzhou in der jugendherberge (ungeheizt), und versuche plaene zu schmieden, die wintertauglich sind und denke schon ueber flucht nach thailand nach. aber so schnell gebe ich doch nicht auf, und so toure ich zuerst noch durch guangzhou, das mit mit jedem mal besser gefaellt, besuche museen und entdecke ding yanyong , der die klassische kunst der blumen und voegel-kalligrafie mit grossem humor variiert - und einen sehr traurigen karrikaturisten namens liao bingxiong .
die weitereise fuehrt nach yongding ins land der hakka, wo frueher ganze clans in einem grossen runden haus mit bis zu 200 kleinen zimmerchen lebten (diese tuluos stehen heute leider meist leer - oder beherbergen ramschmaerkte fuer touristen) .

hier miete ich mir einen motorradfahrer, ein cooler hund von ca 50 jahren, der mich durch die landschaft und zu allen sehenswuerdigen tuluos kurvt - es ist klirrkalt, aber wunderschoen.

zum aufwaermen kann man sich ja eine teezeremonie aufschwatzen lassen. da gibt es dann (zumindest bis zum dritten aufguss eklige) gruenetee-bruehe aus puppenstubenstassen, wo man doch eigentlich die haende an lieber an der kanne waermen wuerde...

und dann habe ich erkannt, was hier auf grossen matten in der sonne ausser gruentee und obst gerade noch getrocknet wird: malven! die tee-rettung. meine spontane begeisterung wird mit einer gratisprobe belohnt, die dann abends in meiner hotelzimmerthermoskanne landet - dem einzig warmen in diesem zimmer ohne strom. morgens: frost.

zurueck an der kueste ist es zumindest wieder herbstlich. ich quartiere mich auf einer kleinen insel vor xiamen ein, auf der alte botschaftsgebaeude malerisch vor sich hinmodern - und lande in der hochzeitshoelle:

gulan yu ist das traumziel aller chinesischer hochzeitsfotografen, und so stauen sich vor treppen, toren und efeu-ueberwucherten mauern, vor felsen und am strand und ueberhaupt ueberall auf der insel die aufgetakelten brautpaare.

samt stylist, fotograf und beleuchter und mindestens vier verschiedenen miet-roben (neben weiss gerne einmal chinesisch, ballkleid und casual) warten sie geduldig, bis sie an der reihe sind mit der ganz und gar nicht individuellen inszenierung ihres gluecks.

und zwischen den brautpaaren schieben sich busladunsgweise chinesische tagestouristen hindurch, die europaeische architektur vor der haustuer geniessen. hilfe!!
leider ist meine weiterreise nach kunming schon gebucht und erst in zwei tagen - und so vertreibe ich mir die zeit mit kulinarischen erkundungen. trockenfisch ist mein fall nicht, aber hier gibt es ziemlich gutes trockenfleisch in unzaehligen gewuerzrichtungen, und das chinesische beef jerkey ist schon seit der mongolei mein lieblingssnack.

zwei studentinnen aus xiamen, die ich beim fotografieren kennenlernen, ueberreden mich zu kaffee & kuchen im ehemaligen deutschen konsulat - sie verpflichten mich als sprachlehrerin fuer den nachmittag und zahlen in original deutschem kaesekuchen, der serviert wird mit einem huebschen straeusschen petersilie.
lecker... langsam wirds zeit, nach hause zu kommen.

gekroent wird die voellerei mit einem abendessen in begleitung von paul newman, der unter tarnidentitaet reist.
octopus-sashimi. lecker.

weiter geht es ueber kunming, wo es kalt ist, nach jinghong, wo ich eigentlich wandern gehen will - aber dann so muede vom reisen und angucken, so muede von china bin, dass ich spontan alles umwerfe:

als ich sehe, dass es eine faehre nach thailand gibt, die einen tag lang den mekong entlang faehrt zwischen laos und myanmar hindurch, kaufe ich ein ticket - ausreisen muss ich eh nochmal oder hier versuchen, das visum zu verlaengern. und thailand leuchtet hinter den bergen wie das gelobte land ...

kaum bin ich auf dem schiff (und offiziell ausgereist) fuehle ich mich ploetzlich wieder pudelwohl.

aber china macht mir noch ein abschiedsgeschenk: mit mir auf der faehre ist die jahrestagung der leitenden redaktuere der groessten tageszeitung in kunming, und die sind sehr nett und sehr klug. wir haben viel zum reden - ueber die zukunft von journalismus, die zukunft von print, mediennutzung, medienpolitik, ... bin ganz beglueckt ueber diese bekanntschaft.
vor allem ueber wendy, die natuerlich eigentlich ganz anders heisst, sich aber wie alle chinesen einen englischtauglichen kampfnamen gewaehlt hat.
diese sitte habe ich uebrigens auch eingefuehrt. da andrea nur als an-de-lei-ya funktioniert und damit zwei silben zu lang fuer einen guten chinesischen vornamen ist, erlaube ich erstmalig in meinem leben abkuerzungen. naemlich: an Das bedeutet ruhig, friedlich, gesund und ist ein nachname. dann koenne sie mich an nueshi nennen, frau an.
seither geniesse ich thaifood, massagen und die sanfte stille in tempeln. thailand fuehlt sich jedesmal ein bisserl an wie nach hause kommen ... jetzt werde ich im sueden noch eine woche in ein yoga-retreat gehen und dann jared in bangkok besuchen - und dann .. dann gehts langsam wirklich zurueck nach deutschland.
freu mich schon - bis bald!
ps: (hoechste zeit fuer ein ps!)
das mit den namen hat mich natuerlich nicht losgelassen - wenn hier jemand mandarin kann und anmerkungen hat: herbei!
"fei" und "sha" sind zum glueck echte familiennamen, die "Kosten" und "Sand" bedeuten (aber klingen wie "kakerlake toetet" - hier sieht man meine mitbewohner aus beijing vor lachen umgefallen)
an-de-lei-ya kann aber so ziemlich alles bedeuten, zum beispiel
"Die Akte gewinnt erschoepft zweitplatziert" oder "Der Wall des Ufers drueckt"....
am besten aber gefaellt es mir so:

Fèi-Shā Ān-dé-lěi-Yà
费 沙 安 得 累亚
und das bedeutet etwas holprig:
Fischer An erreicht immerwieder Asien

jawoll.

Montag, 9. November 2009

hongkong, guangzhou, yangshuo

ich war ja etwas unwillig, china zu verlassen, und hatte auch wirklich keine lust auf noch mehr grossstadt (noch dazu eine, in der sich wirklich alles ums shoppen dreht) – aber es fuehlte sich schon ganz gut an, den freundlichen chinesischen grenzbeamten samt staatlichem zensurapparat hinter mir zu lassen.

hongkong war gnaedig und weitgehend smogfrei, und das tropenklima gefaellt mir im winter ja ganz besonders. also habe ich die dicken socken gegen flipsflops eingetauscht und bin auf erkundungstour geschlappt. hongkong selbst ist ja gar nicht soo gross (ein grossteil der knappen flaeche ist auch nicht bebaut, sondern wald und berg und drumherum wasser) und so verteilt sich die doch recht zahlreiche bevoelkerung eben nicht in die breite, sondern in die hoehe: das durchschnittliche miethaus hat 37 stockwerke. das fuehlt sich dann doch komisch an, wenn man irgendwie immer tausende menschen sprichworertlich im nacken sitzen hat.
und dann ist es auch eine schoene abwechslung, ein internationaleres publikum zu sehen. auch weil der verschworene-eingeweihte-mitgefangene-blickkontakt, der in china zwischen offenkundigen touristen (weil westlern) ueblich ist, hier nicht greift.
fuehle mich pleotzlich nicht mehr als ausstellungsstueck. erholsam, aber dadurch ploetzlich auch alleine und ohne halt in der masse.

dafuer gibt es zwischendrin immer wieder oasen: zwischen shoppingtempeln klemmen vereinzelte kleine tempelchen, und es gibt wunderschoene parks. wie zum beispiel den hongkongpark , wo man auf einer hochbruecke durch eine riesige voliere spaziert, auf augenhoehe mit papageien und turteltauben (gefiederten. aber auch menschlichen - dieser park scheint lieblingsplatz der hochzeitsfotografen zu sein).

richting glueck hatte ich auch mit der wahl des hostels: im maedchen-schlafsaal des yesinn war ferienlagerstimmung. und nach einem sehr, sehr entspannten tag am strand von lamma, einer kleinen insel, die sich hinter hongkongisland versteckt (und auf der meine freundin tanja, glaub ich, sogar mal gewohnt hat??), sind wir losgezogen, um halloween zu feiern:
dank unses roommates (einer herzerfrischend lustigen lederlesbe mit einem namen so zart, das er mir leider nicht im gedaechtnis blieb. phoebe? florence? fiona?) die als fitnessinstruktor auf einem us.navy kreuzer arbeitet und grad landgang hatte, geraten wir in den eine truppe seeleute der us navy, und ziehen biertrinkend und froehlich durch die strassen – jede kneipe, jede strasse gestopft voll mit feierfreudigen, ob kostuemiert oder nicht. um halb vier bin ich nach harten kaempfen in ein taxi gefallen.

der tag drauf war dann ziemlich kurz. aber ich habe oscar wiedergetroffen,die hongkongerin aus unserem volunteer-camp in ulaan baatar! mit ihr und ihren freundin jacky erkunde ich soho, was ein wirklich zauberhaftes altstadt-eck ist – und beim bambusstaebchenschuetteln faellt die glueckliche 36. hehe. abends essen wir in einer geheimtipps-strassenkueche, und ich bekomme so fragwuerdige koestlichkeiten wie 1000jaehrige eier serviert. die schlale schmeckt und fuehlt sich an wie blaue gummibaerchen.

mit meinem neuen visum fuer china gibt es auch keine probleme, und so breche ich noch zu einem ausgedehnten shoppingbummel auf und packe ein paeckchen, damit ich das nicht alles durchs land schleppen muss. zwischendrin stolpere ich bei sz online ueber einen shoppingfuehrer hongkong - aber ehrlich, die (und dpd) sollten nicht einfach die werbetexte des tourismusverbandes abdrucken: auf dem jademarkt kann man prima jade kaufen??? ausser gefaerbtem glas war das nur gefaerbtes glas – und wer auf dem ladie’s market geschmackvolle damenoberbekleidung sucht, wird auch nicht fuendig werden (es ist aber wider erwarten auch kein fleischmarkt). liebe sueddeutsche, ich schreib euch das gerne gegen kleines geld um, email genuegt. da habt ihr dann
auch noch genug fuer einen korrektor, der meine rechtschreibschlamperei ausbuegelt)

nach einem buero-und-blogtag bin ich dann mit der faehre nach gaoming gefahren, denn ich wollte auf dem weg noch bagua-dorfer besuchen, die nach fengshui-prinzipen achteckig gebaut und organisiert sind. aber fuers spontanreisen und solche abenteuer ist mein chinesisch dann offenbar doch noch nicht gut genug - und so bin ich unverrichteter dinge weiter nach guangzhou, einer durchschnittlichen grossstadt mit 10.7 mio einwohnern. (besser bekannt unter dem namen canton). und zu meiner ueberraschung ist guangszhou wirklich nett, sehr geschaeftig aber dabei eintspannt. und es gibt ziemlich viel zu entdecken, wenn man nicht gerade auf der uferpromade sitzt und der stadt beim wuseln zuguckt.
eindrucksvoll gruen ist es – in den vorstaedten ist jeder gruenstreifen ein privater gemuesegarten (an sich eine gute idee, wenn nur der smog nicht so giftig waere! ich sehe 10 jahre aelter aus nach einem tag in der stadt), und in der innenstadt wuchert es durch jeden bauzaun und von jedem balkon. ein museum hab ich mir gegoennt, mit dem inhalt der grabkammer eines nan-you-koenigs und 3500 jahre alten alten bronzekoepfen – und einer sonderausstellung ueber kopfkissen. aus porzellan. weit weg in meinem hinterkopf war irgendwann mal schon, dass die alten chinesen ihre mueden haeupter auf kleine kloetze betteten, aber das hat dann doch meine kuehnsten erwartungen uebertroffen: sieht irre gemuetlich aus, so ein porzellankissen, oder?

guangszhou barg noch eine dimsum-orgie zum mittagessen, und die freundschaft mit noa aus israel und joshua aus den usa, ueber die ich mich sehr freue. nicht nur wegen der ersehnten abenteuerlustigen essensbegleitung.
mit noa habe ich einen sehr schoenen tag in foshan verbracht, wo wir eigentlich keramikmanufakturen besichtigen wollten, dann aber ratschend im tempel haengenbleiben – und so in den genuss des loewentanzes kommen, einer beeindruckenden akrobatiknummer zu wildem trommeln. (hier wird gerade eine lokale koestlichkeit verkostet die aussieht wie seidenkokons mit raupe drinnen- ist aber aus zuckerwatte und nuss. kostet dennoch ueberwindung beim reinbeissen, man weiss ja nie)

und mit joshua habe ich mich vorgestern hier in yangshou wiedergetroffen, dem chinesischen garmisch: idylisch zwischen wilden bergen eingeklemmt, wunderschoene landschaft – und superkitschtouristisch.

als ich hier nach einer wirklich unangenehmen nachtbusfahrt im morgengrauen aus dem bus geworfen werde, wartet schon ein schmierlappen von hotelschlepper auf mich, dem ich mich im leben nicht anvertraut haette – haette er nicht einen von joshua geschrieben zettel mit meinem namen in der hand. der naemlich hat sich inzwischen mit der lokalen mafia angefreundet, und so von den infamous li-brothers das penthouse einer ihrer zahlreichen absteigen zum freundschaftspreis gemietet.

wie mein reisebegleiter, ein 21 jahriger philosophiestudent und wirklich feine gesellschaft, sich diese freundschaft erworben hat, ist mir noch nicht ganz klar, aber meine hat er ja auch. und ich wollte schliesslich leute finden, mit denen ich die chinesische kueche ausprobieren kann, oder?
denn als bonusprogramm fuehrt uns der aeltere mr. li, ein ziemlich neureicher und grobschlaechtiger, aber irgendwie eindrucksvoller kerl, abends durch sein neuerworbenes chalet und zum essen: hund. im hotpot.
da kann man jetzt verschiedener meinung sein, zugegeben, aber es schmeckt wie hase und eine solche einladung abzulehnen ist in china sehrsehr unhoeflich. und ich will nicht unhoeflich sein. schon gar nicht der lokalen mafia gegenueber.
(joshua hat schon mal fuer fahndungsfotos posiert. doch die kunst des scherenschnitts ist in yangshuo so alt, dass das fertige werk voraussagt, wie man in 30 jahren aussehen wird - wirklich erstaunlich. )

zum ausgleich gibt es hier aber noch die zauberhafte annie, die das bamboo-guesthouse betreibt und den besten kaffee der stadt kocht (und deren internetzugang funktioniert, so schnell, dass sogar mauerknacken funktioniert, wenn auch fotos hochladen nicht).
allen, die einmal ins schoene yangshou reisen, sei ihr hostel ans herz gelegt (die li-brothers kann ich nicht uneingeschraenkt empfehlen)
von annie haben wir gestern fahrraeder geliehen und sind den fluss hoch und runter gefahren, was wunderschoen war – inklusiver der erzwungenen bambooraft-uberfahrt zu einem alten mann, der den geplatzten reifen wieder geflickt hat.

hier in der ecke bleibe ich erstmal ein paar tage und diene dem tourismusministerium ab morgen als attraktion waerend einer fuenftaegigen rundreise des chinesischen wandervereins, zu dem internationale wanderfachkraefte aus aller welt eingeladen sind (und um es international zu machen, lud man spontan/panisch/in letzter sekunde auch 10 zufallstouristen, darunter joshua und mich, ein ... )
bin sehr neugierig - und ein bisserl aufgeregt. gerate ich jetzt vollends unter staatliche kontrolle oder ist das eine einmalige chance, china aus der innen- oder einer ganz anderen perspektive zu erleben?

ich werde berichten. und dann geht es weiter gen sezhuan, meinem lieblingspfeffer auf der spur!

Dienstag, 3. November 2009

tsetserleg, kharkhorin, arvaikheer, datong, beijing

wenn eine eine reise tut, hat sie was zu erzaehlen. sollte sich dann aber auch.
entschuldigung. doch in den letzten wochen war erstens viel los und zweitens mein zugang zur freien massenkommunikation erschwert, deshalb reiss ich mich heute zusammen und mache einen bueronachmittag in einer internetbude in hongkong. leider etwas mehr zu lesen, sehr userunfreundlich, ich weiss, ich weiss... danke dennch fuer die geneigte aufmerksamkeit.
und los gehts:


ein roadtrip durch die mongolei

anfang oktober: in der morgendaemmerung brechen wir auf gen westen. unser vehikel ist die russische variante eines vwbusses mit zwei tanks, peinlich sauberen sitzbezuegen und einem sehr schrammeligen autoradio - beladen mit proviant, vier abenteuerlustigen reisenden und churlee - ex-soldat, fahrer, uebersetzer, kleinkind und kindermaedchen in einer person.

wir fahren gen westen - machen mittagspause in den sandduenen, die ich schon vor ein paar wochen besucht habe, und besuchen meine zaueberhafte nomadische gastfamilie, um ihnen die abzuege ihrer portraitfotos zu ueberreichen - grosses zeremoniell inklusive, besonders da ihr aelterer sohn in der woche zuvor verjurtet wurde. das ist der korrekte terminus fuer eine mongolische hochzeit: das brautpaar bekommt eine eigene jurte, zieht ohne viel aufhebens ein - fertig. noch drei wochen zuvor hatte ich beim jurtenaehen geholfen (also, soweit ich die nadel durch den zentimeterdicken schaffilz bekommen hab...) und wir waren jezt die ersten fremden gaeste - da wurde stolz im neue geschirr die traditionelle vergorene stutenmilch und (diese hausfrau ist modern, und das will sie auch zeigen) gekaufte kekse serviert.

danach geht es weiter, ueber kharkorin hinaus bis nach tseterleg, wo wir puenktlich zum sonnenuntergang und mondaufgang ankommen und nach 14 stunden reise unsere mueden haeupter auf echte kissen in echten betten betten. zugegeben, ich hab es genossen. wir hatten geplant, in guenstigen gercamps zu uebernachten, und meiner ansicht unter anderem auch, weil churlee laut unserem vertrag fuer uebernachtung selbst aufkommen sollte - fuer essen sorgen wir. uns so hatten wir schon am ersten abend einen riss im gefuege: unser fahrer, der in den gercamps (wie wir spaeter herausfanden) den deal "ich bringe touristen und schlafe dafuer umsonst" macht, sagt uns, er wuerde bei bekannten schlafen, schlaeft aber in wahrheit im saukalten auto. hm.


am tag drauf fahren wir ziemlich direkt weiter richtung white lake (der in wahrheit blau ist),
einem naturschutzgebiet, inmitten einer kargen vulkanlandschaft, wunderschoen.
hier bleiben wir auch zwei nachte bei einer von bert vermittelten nomadenfamilie, gehen wandern und reiten, spielen karten und ratschen, kochen eintopf (leider zu churlees grosser enttauschung schon wieder vegetarisch), unsere waesche und trinkwasser. so ein wok ist eine feine sache.

das wasser brachte uns am ersten abend noch der sohn des hauses, am naechsten morgen bin ich selbst los, und die gastmutter zeigt mir die tiefe stelle am ufer... genau dort, wo ich am abend zuvor das yak beim trinken fotografiert habe. yak... und als am abend der wind zunimmt, wird das wasser so schmutzig, dass wir dann doch lieber eine extrarunde in die stadt fahren zum wasserkauf.
daniel, der ja gerade erst in der mongolei angekommen ist, wird ungedulig - hier gibt es ja gar keine kultur zu gucken! er will in staedte, tempel sehen... dabei ist mongolische kultur genau das: jurten, pferde, nichtstun. tempel gab es zwar mal, bevor die kommunisten aufgeraeumt haben (mit hoechst drastischen folgen fuer moenche und kulturschaetze), aber bis auf ulaan baatar sind die ortschaften, all die kleinen aimag und sum-center hoechst sovjetische erfindungen - gedacht, die nomadenkutur zu beeenden.

am morgen unserer weiterreise ist alles weiss - diesmal richtig viel schnee. zum glueck ist der bus fuer jedes wetter ausgelegt, und was vorgestern noch klimaanlage war wird durch zwei, drei schrauben im motorblock zur heizung. mittags gibs restaurantessen (endlich fleisch) und eine ordentliche schneeballschlacht, und danach biegen wir gefuehlt irgendwo in der landschaft rechts ab, fahren ueber stock und stein, ueber huegel und durch taeler - und finden (daran hatte ich nicht mehr geglaubt) tatsaechlich die heissen quellen, an denen sich zwei resorts niedergelassenhaben. juhu! badewanne! qietschsauber, aufgeweicht und aufgewaermt sitzten wir wieder im bus, denn churlee will doch lieber weiterfahren bis kharchorin als hier uebernachten (wahrscheinlich gabs keine gratisuebernachtung fuer ihn), doch dann folgt ein sehr, sehr anstrengender ritt. gerade vor einbruch der dunkelheit finden wir die hauptstrasse wieder, und dann gehts noch drei stunden durch die nacht - auf einer der (ich zitiere den reisefuehrer) "fiesesten pisten dieses an fiesen pisten nicht gerade armen landes". und um wachzubleiben, besteht unser inzwischen qua fleischmangel zunehmend unwirscher churlee auf offenen fenstern. was soll ich sagen - wir hatten noch nasse haare. die halbauskurierte erkaeltung aus ub schlug promt zurueck.

kharkorin, das alte zentrum des mongolenreiches, palast der soehne dschingis kahns, sammelplazt der gefuerchteten heerscharen, die die welt eroberten... kharkorin, soviel sei hier mal gesagt, lohnt sich nicht. punkt.

wir fahren statt dessen schnell weiter nach arvaikheer, um die buecherbruecke zu besuchen - und sind allesamt sehr gluecklich, als wir wieder in der zivilisation sind. die wunderbare uuganaa schleppt uns abends in das restaurant ihrer freundin, das gerade eroeffnet wird - superlecker, aber (unser churlee kanns nicht fassen) vegetarisch. ein vegetarisches restaurant ist durchaus ein riskantes unternehmen im land der fleisch-mit-fleisch-esser - doch da fuer mongolen und chinesen vegetarisch vor allem bedeutet, dass man fleischersatz moeglichst perfekt macht (kohlrabi-knochen am t-bone-tofu), beschwert er sich am ende doch nicht und haut rein, das es geradezu unhoeflich ist.

am nachsten tag erkunden wir die stadt und den huegel mit alten graffiiti (also, eher felszeichnungen aus der zeit der skythen, aber dazwischen sind halt doch immer wieder herzchen mit e+k... ) und ich besuche uuganaa.
ihr youth development center, das die buecherei beherbergt und auch das zentrum fuer die teachertrainings ist, wurde ja gerade erst durch die buecherbruecke aufgebaut und ist jetzt schon ein riesenrenner - ich habe den mitgliedsausweis nummer 509 (stolz!) .
sie haben sogar schon einen preis fuer nachhaltige entwicklung bekommen, mit dem geld koennen sie zwei maedels als bibliothekarinnen einstellen und schaffen auch noch jobs. ich denke, uuganaa und ihre bibliothek sind ein riesenglueck fuer diese kleine stadt - und ein tolles beispiel dafuer, wieviel der einsatz und die leidenschaft einer einzelnen person bewirkt, wenn sie die helfer trifft, die sie ermutigen. ich wuenschte, ich haette meinen volunteerdienst hier machen koennen (aber wer weiss, vielleicht komm ich im fruehjahr ja nochmal). und ich bin sehr froh, dass ich zumindest carsten aus der ferne bei der buchmesseplanung helfen konnte.

abends vergnuegen wir uns beim karaoke (zum glueck haben wir in ub ja backstreet boys und britney spears geuebt) - doch churlee schafft es irgendwie nicht zurueck ins hotel. gegen drei werden wir nervoes, immerhin muessen wir am naechsten morgen frueh los. und nach mehrmaligen hochpeinlichen anrufen kann ich ihn ueberreden, spielkarten und vodka beiseitezulegen... der idiot hat doch tatsaechlich in einer nacht gut die haelfte seines lohns fuer unsere abenteuerwoche verspielt, kann man das fassen?

im rueckblick hatten wir uns wohl zuviel vorgennommen - viel zeit im auto verbracht. aber schoen wars schon! und die autofahrten wurden durch churlees kassettensammlung (inkl. peter fox) und einen schweizer mp3 player samt adapter zur mitsingparade - und zum sprachkurs.
churlee hat eine deutsche freundin, die er naechstes jahr in der mongolei zu ehelichen plant und der er morgens und abend ischliebdischschaaatz ins telefon seufzt - und ich finde mich unfreiwillig in der rolle des cyrano mit lehrauftrag. (ja, danke, ich weiss, der verglich hinkt. wobei ... gegen ende der reise hege ich fuer die romantische claudiaaa deutlich waermere gefuehle als fuer ihren mit schlechten manieren gesegneten verehrer) .
auch lindsay lernt ploetzlich deutsch (und in einer woche gefuehlt mehr als churlee nach drei jahren kann) und ich gebe mir groesste muehe, damit die zwei nicht von fabiola und daniel mit tiefbunten schweizer minoritaetendialekten gefuettert werden statt mit huebsch sauberem schuldeutsch.

die fahrt nach ulaan baatar birgt noch einen spontanen stop in einem verfallen kloster (wunderschoen, aber igendwie auch spooky - dabei hab ich erst danach gelernt, dass hier waehrend einer religioesen revolution mal 3000 rotmuetzenmoenche abgeschlachtet wurden)
in ub selbst essen wir noch schnell was (suppe - mit fleisch!) und fallen in die dormbetten - am naechsten morgen gehts fuer mich in aller fruehe zum bahnhof - 24 stunden im zug, ueber die grenze nach china, bis datong. neugierde... aber die mongolei wird mir fehlen.


kulturschock in datong - und ein sprachkurs in beijing

ein paar tage vor meinem geburtstag also sitze ich im zug, fahre durch die wueste gobi (die gar keine wueste ist, sondern eine gobi - eine halbwueste) bekomme von meinen netten zugabteilmitinsassen die ersten brocken chinesisch beigebracht und einen selbstgekochten rindernacken aus der einkaufstuete serviert, von dem ich mir mit meinem eigenen messer ganz mongolisch stueckchen abschneide. lecker.
nach der grenze schlafe ich ein, und verpasse fast den vielgepriesenen wechsel der achsen auf das chinesische schienenmass - tatsaechlich ein schauspiel, der ganze zug wird per automatischem wagenheber einen meter in die luft befoerdert, dann rauschen drunter die alten achsen raus und die neuen rein, schraubschraub, und weiter gehts. tag fuer tag, mit jedem zug der durchkommt, in beide richtungen...

in datong ist - ueberraschung - alles chinesisch. das bedeutet, das sich sogar die touri-info nicht finde, weil sie auf chinesisch angeschlagen ist. ich fluechte mich ins bahnhofshotel (immerhin ist buchmessewoche, da muss man doch in bahnhofsnaehe wohnen!) und goenne mir ein doppelzimmer mit dusche und tv fuer mich ganz alleine.
nachmittags kaufe ich mit zeichensprache eine simkarte, die ins ausland funktioniet (im nachhinein hab ich gelernt, das das ziemlich aussergewohnlich ist - die sind in beijing scheint es fuer wichtige leute reserviert), erkunde die stadt (klasse) und esse die traditionellen gedaempften knoedel mit fuellung. langsam reichts mit dumplings - erst in sibirien pelmeni soweit der magen kann, dann in der mongolei wochenlang booz und jetzt schon wieder! ich koennte mal gemuese vertragen.

am naechsten tag mache ich dank des wunderbaren mister gao von cts, dem staatlichen china travel service, der englisch spricht und superhilfsbereit ist, einen ausflug per oeffentlichem bus an die mauer nach desheng bao - ohne seine hilfe haette ich den richtigen bus nie gefunden! desheng bao ist ein dorf, dass innerhalb der verfallenen mauern eines ming-kastells steht - sie nutzten die alte verteidigungsanlage quasi als zaun. und ein bisserl mauer gibt es auch, zugegeben aber sehr loechrig.
(zum thema loch in mauer hab ich auch viel nachgedacht an diesem tag, da ich am vorabend einen schoenen langen blogeintrag geschrieben hatte fuer die zwei leute, die das hier lesen - und dann beim hochladen von der chinesischen zensurmauer gestoppt wurde. leider ging dabei auch der text verloren, deshalb ist der unten stehenden mongolei-eintrag eine rekonstruktion. und das loch, das robert gebuddelt hat, ist zu klein zum wirklich dran arbeiten...)
zureuck schaffe ich es mit einem zettel, auf den ich datong in chinesisch gemalt habe, einen minibus anzuhalten - und muss stoisch ertragen, dass sich 12 leute eine stunde lang ueber mich lustig machen. wie kann man auch nur so bloed sein, und nach china fahren ohne chinesisch zu sprechen!!

fuer den naechsten morgen bin ich besser praepariert - zielorte, buslinien, und die frage nach dem naechsten und dem letzten bus sind auswendig gelernt und zur sicherheit in han-schriftzeichen und pinjin notiert (heute weiss ich, das mich eh keiner verstanden haette, weil meine aussprache 90prozent daneben lag und die datonger wohl eh kein mandarin spechen).
doch dann ruft mich der nette mr. gao um sechs in der frueh an und ueberredet mich zu einer gruppentour mit cts. na, meinetwegen.
war sogar ganz lustig - in ein kloster, das praktisch in den fels geschraubt ist (und ziemlich wackelig aussieht, wenn sich busladungen voll touristen durchschieben) sowie zu den beruehmten buddhahoehlen, die zahlreiche reisefuehrer zieren. dort war nur leider gerade eine wichtige militaerische delegation zu besuch, und wir wurden aus den schoensten hoehlen sofort rausgescheucht. manche genossen sind eben gleicher als andere...
dazwischen gabs ein grosses chinesisches mittagessen - 12 leute um den runden tisch, die drehglasplatte in der mitte biegt sich unter der last der koestlichkeiten - sehr fein. ich war auch schon ziemlich hungrig nach zwei tagen snacks.

alleinreisen in china hat naemlich einen ganz entscheidenden nachteil (mal abgesehn davon, das dich jeder chinese fuer einen total verschrobenen soziopathen haelt - kein mensch reist hier alleine. niemand macht hier auch nur irgendetwas allein).
das echte problem ist, das man nicht alleine essen gehen kann!
ausser in sehr westlichen restaurants oder fastfoodketten gibt es gar keine kleinen (oder auch nur mittelgrosse) tische, und alleine an einem 12er tisch ist hart. knallhart. peinlich.
dazu kommt, dass ausser in restaurants, wo eh keiner hinwill weil das essen nicht schmeckt oder die hygiene selbst chinesischen standards nicht genuegt, alleinesser auch gar nicht gerne gesehen sind - man nimmt ja 11 anderen den platz weg.
aber es macht auch viel mehr spass, in einer gruppe viele verschiedene sachen zu bestellen und alles zu probieren! so finde ich mich also auf der konstanten suche nach mitessern, denn chinesische kueche ist koestlich!!!


der naechste tag birgt eine sehr schone bahnreise bergab bis beijing - wo ich ein hostel finde, ein fahrrad leihe, die alten hutongviertel erkunde und beschliesse, mir zum morgigen geburtstag einen sprachkurs zu schenken. meinen geburtstag beginne ich mit fruehstueck auf chinesich (soyamilchbruehe, germknoedel ohne fuellung und sauer eingelegtes gemuese), dicht gefolgt von einem echten illy kaffee mit geburtsagsmuffin im poetry cafe.
dann radle ich zum hauptpostamt und hole mein geburtstagsgeschenk ab (soooo lieb von euch, danke! das hat mich wirklich sehr gefreut!) den nachmittag verbringe ich in der verbotenen stadt, und abends treffe ich meine beiden schweizer reisebegleiter fabiola und daniel und lasse mich von meinem liebsten in abwesenheit auf eine pekingente einladen - sehr lecker!


und ab da lebe ich ploetzlich in der stadt. buche einen sprachkurs im mandarin house (sehr zu empfehlen), besteige wie offenbar jeder zweite beijinger an einem schoenen herbstsamstag die perfume hills (stau beim aufstieg und beim abstieg - sensationell), ziehe bei einer gastfamilie ein und nach einer halben stunde wieder aus, weil ich ahne, dass ich in den suburbs fuerchterlich einsam werde zwischen einer grille im einmachglas und der geschmacklosesten nachtischlampe der welt - und finde in der sprachschul-wg nicht nur ein schoenens zwischenzuhause, sondern auch nette freundinnen.

die naechsten tage sind dem lernen gewidmet, wir geben uns alle wirklich muehe - aber 80 neue vokabeln pro tag sind ungefaehr 50 zuviel fuer mein untrainiertes hirn. zumal mir die visaverlaengeung deutlich mehr kopfschmerzen bereitet als gedacht - 3000 us$ will der staat china auf einem chinesischen bankkonto als deposit, bis ich das land verlasse... hm. das scheint mir doch wenig einladend. da ich vor der abreise im dezember auch nicht nochmal in beijing bei einer bank vorbeischlappen will, um das wieder auszuloesen - und weil ich dem staat china zugegeben mein geld noch weniger gern anvertrauen wuerde als gewissen kaufleuten in gewissen verlagen, entschliesse ich mich, die reiseroute kurzerhand auf den kopf zu stellen und nach dem sprachkurs nach hongkong zu fliegen, und dann eben den sueden anzusehen.


chinesisch (also korrekterwese mandarin, oder han-yu) macht spass und ist eigentlich gar nicht schwer. zumindest, wenn man, so wie ich, sich gar nicht erst mit schreibenlernen aufhaelt, und sich auf aussprache, tonhoehe und die zum glueck nicht vorhandene grammatik konzentriert. ich bin ganz erstaunt, wieviel ich in zwei wochen lernen kann - sehr schoen. auch wenn nach den ersten tagen deutlich muskelkater in bislang ungenutzter mundmuskulatur zu verzeichnen war - am o und am e habe ich sehr sehr lange (und zum grossen amusement meiner klassenkameraden) gearbeitet.


nur viel zeit zum sightseeing bleibt neben schule, lernen und hausaufgaben machen nicht - aber was ich von beijing kennenlerne, gefaellt mir sehr. ich oft sehr modern, oft sehr verwunschen. und sehr grosszuegig gebaut (man koennte auch sagen grosskotzig-protzig... und all die riesenstrassen und plaetze gehen definitiv in die knochen ...sogar ubahnfahren dauert ewig, denn die distanze sind enorm. und da das neu-olympische ubahnsystem in den ehemaligen maoistischenverteidigungstunneln gebaut wurde, ist umsteigen durchaus mal eine berg und tal tour in schleifen.)
mit eva, meiner wg-hollaenderin, habe ich tempel und nachtmaerkte erkundet - hier gabs mit dem buegeleisen plattgegrilltes gemuese und wuerstchen.

die menschen, die mir in beijing begegnen, sind sehr sehr nett und hilfsbereit - und ich muss gestehen, ich mag die pragmatische art, mit den aergernissen des alltags (und des staates) umzugehen.
mir als gast begegnet die staatsmacht eh sehr selten, und bis auf den visa-aerger sind mir (aber das liegt natuerlich an der auferlegten freundlichkeitsmaxime) nur ausnehmend nette staatsbeamte begegnet.
oder bin ich schon brainwashed? oder wird dieser blog zensiert?
zeitunglesen in china jedenfalls ist der totale lacher - da werden skandale aufgedeckt, und schuld zugewiesen - aber alles wohldosiert. und natuerlich nur die skandale, die aufgedeckt werden sollen!
mal ausserhalb der reihenfolge: ein blick heute in die (unabhaengige? kommt ja drauf an von wem...) englische zeitung im relativ freien hongkong barg wundersame schlagzeilen, bin schon gespannt wie das auf der gegenseite aussieht: offenbar haben beijinger chefmeterologen vorgestern mit schneeausloesekanonen den himmel vom smog gereinigt, aber vergessen, das den verkehrsbehoerden und dem flughafen mitzuteilen. totales schneechaos, flugghafen lahmgelegt. (es hat wirklich auch ausserhalb beijings geschneit, wie gross der anteil des ausgeloesten schnees ist, weiss ich nicht... ich wusste gar nicht, dass das ueberhaupt geht. geht das?).
und dann wird china jetzt die neue supermacht im all, damit sie feinde auch von oben bombardieren koennen. sagte der parteizustaendige gestern erstmals offiziell. aha. von der buchmesse uebrigens keine notiz in den medien, nicht nur im englischsprachigen kampfblatt nicht. aber das in deutschland die wirtschaft wieder waechst, das wird im fernsehen gemeldet. aha.
der neue kommunismus lautet: alle werden reich - die einen jetzt, die anderen spaeter. und sie nehmen die neue parole sehr ernst - es gehts ums geldverdienen und geldausgeben. ausschliesslich. doch bei den wilden teenies regt sich bereits holprige konsumkritik...
ich besichtige neben den weltberuehmten dingen wie dem sommerpalast auch wundervoll abstruse tempel (wie den taoistischen dongyue temple mit einer reihe von "ministerien" rund um die haupthalle, in denen sich himmlischeminister um angelegenheiten wie die pruefung ungerechtfertiger anschuldigungen, die vermeidung von abtreibungen, die regengoeter und um die einfuehrung von 15 arten grausamen ablebens kuemmern. alles plastisch dargestellt in lebensgrossem ton.), lerne von den rentnern im temple of heaven park diabolo tanzen und erkunde galerien und geschaefte, mache unvernuenftige radtouren durch den smog (das beruehmte vogelnest, das olympiastadion, ist smogfarben. man kann es einfach uebersehen.... ) und geniesse mein studentenleben. und einen tag mach ich blau und geh wandern, auf der mauer bei simatai. endlich frische luft!
als ich schliesslich am donnerstag mittag in den flieger flitze, um puenktlich zum auslaufen meines visas das land zu verlassen, plagt mich echter abschiedsschmerz.
ich habe mich ueberhaupt nicht auf hongkong gefreut. zumal man da nicht mal mandarin spricht....

aber dazu beim naechsten mal mehr - das war jetzt ein echter arbeitstag im internetcafe, und immerhin bin ich im urlaub! nur soviel vorneweg: hongkong ist auch klasse. anders, aber toll. und morgen gehts, mit neuem visum, zurueck aufs festland...