Montag, 9. November 2009

hongkong, guangzhou, yangshuo

ich war ja etwas unwillig, china zu verlassen, und hatte auch wirklich keine lust auf noch mehr grossstadt (noch dazu eine, in der sich wirklich alles ums shoppen dreht) – aber es fuehlte sich schon ganz gut an, den freundlichen chinesischen grenzbeamten samt staatlichem zensurapparat hinter mir zu lassen.

hongkong war gnaedig und weitgehend smogfrei, und das tropenklima gefaellt mir im winter ja ganz besonders. also habe ich die dicken socken gegen flipsflops eingetauscht und bin auf erkundungstour geschlappt. hongkong selbst ist ja gar nicht soo gross (ein grossteil der knappen flaeche ist auch nicht bebaut, sondern wald und berg und drumherum wasser) und so verteilt sich die doch recht zahlreiche bevoelkerung eben nicht in die breite, sondern in die hoehe: das durchschnittliche miethaus hat 37 stockwerke. das fuehlt sich dann doch komisch an, wenn man irgendwie immer tausende menschen sprichworertlich im nacken sitzen hat.
und dann ist es auch eine schoene abwechslung, ein internationaleres publikum zu sehen. auch weil der verschworene-eingeweihte-mitgefangene-blickkontakt, der in china zwischen offenkundigen touristen (weil westlern) ueblich ist, hier nicht greift.
fuehle mich pleotzlich nicht mehr als ausstellungsstueck. erholsam, aber dadurch ploetzlich auch alleine und ohne halt in der masse.

dafuer gibt es zwischendrin immer wieder oasen: zwischen shoppingtempeln klemmen vereinzelte kleine tempelchen, und es gibt wunderschoene parks. wie zum beispiel den hongkongpark , wo man auf einer hochbruecke durch eine riesige voliere spaziert, auf augenhoehe mit papageien und turteltauben (gefiederten. aber auch menschlichen - dieser park scheint lieblingsplatz der hochzeitsfotografen zu sein).

richting glueck hatte ich auch mit der wahl des hostels: im maedchen-schlafsaal des yesinn war ferienlagerstimmung. und nach einem sehr, sehr entspannten tag am strand von lamma, einer kleinen insel, die sich hinter hongkongisland versteckt (und auf der meine freundin tanja, glaub ich, sogar mal gewohnt hat??), sind wir losgezogen, um halloween zu feiern:
dank unses roommates (einer herzerfrischend lustigen lederlesbe mit einem namen so zart, das er mir leider nicht im gedaechtnis blieb. phoebe? florence? fiona?) die als fitnessinstruktor auf einem us.navy kreuzer arbeitet und grad landgang hatte, geraten wir in den eine truppe seeleute der us navy, und ziehen biertrinkend und froehlich durch die strassen – jede kneipe, jede strasse gestopft voll mit feierfreudigen, ob kostuemiert oder nicht. um halb vier bin ich nach harten kaempfen in ein taxi gefallen.

der tag drauf war dann ziemlich kurz. aber ich habe oscar wiedergetroffen,die hongkongerin aus unserem volunteer-camp in ulaan baatar! mit ihr und ihren freundin jacky erkunde ich soho, was ein wirklich zauberhaftes altstadt-eck ist – und beim bambusstaebchenschuetteln faellt die glueckliche 36. hehe. abends essen wir in einer geheimtipps-strassenkueche, und ich bekomme so fragwuerdige koestlichkeiten wie 1000jaehrige eier serviert. die schlale schmeckt und fuehlt sich an wie blaue gummibaerchen.

mit meinem neuen visum fuer china gibt es auch keine probleme, und so breche ich noch zu einem ausgedehnten shoppingbummel auf und packe ein paeckchen, damit ich das nicht alles durchs land schleppen muss. zwischendrin stolpere ich bei sz online ueber einen shoppingfuehrer hongkong - aber ehrlich, die (und dpd) sollten nicht einfach die werbetexte des tourismusverbandes abdrucken: auf dem jademarkt kann man prima jade kaufen??? ausser gefaerbtem glas war das nur gefaerbtes glas – und wer auf dem ladie’s market geschmackvolle damenoberbekleidung sucht, wird auch nicht fuendig werden (es ist aber wider erwarten auch kein fleischmarkt). liebe sueddeutsche, ich schreib euch das gerne gegen kleines geld um, email genuegt. da habt ihr dann
auch noch genug fuer einen korrektor, der meine rechtschreibschlamperei ausbuegelt)

nach einem buero-und-blogtag bin ich dann mit der faehre nach gaoming gefahren, denn ich wollte auf dem weg noch bagua-dorfer besuchen, die nach fengshui-prinzipen achteckig gebaut und organisiert sind. aber fuers spontanreisen und solche abenteuer ist mein chinesisch dann offenbar doch noch nicht gut genug - und so bin ich unverrichteter dinge weiter nach guangzhou, einer durchschnittlichen grossstadt mit 10.7 mio einwohnern. (besser bekannt unter dem namen canton). und zu meiner ueberraschung ist guangszhou wirklich nett, sehr geschaeftig aber dabei eintspannt. und es gibt ziemlich viel zu entdecken, wenn man nicht gerade auf der uferpromade sitzt und der stadt beim wuseln zuguckt.
eindrucksvoll gruen ist es – in den vorstaedten ist jeder gruenstreifen ein privater gemuesegarten (an sich eine gute idee, wenn nur der smog nicht so giftig waere! ich sehe 10 jahre aelter aus nach einem tag in der stadt), und in der innenstadt wuchert es durch jeden bauzaun und von jedem balkon. ein museum hab ich mir gegoennt, mit dem inhalt der grabkammer eines nan-you-koenigs und 3500 jahre alten alten bronzekoepfen – und einer sonderausstellung ueber kopfkissen. aus porzellan. weit weg in meinem hinterkopf war irgendwann mal schon, dass die alten chinesen ihre mueden haeupter auf kleine kloetze betteten, aber das hat dann doch meine kuehnsten erwartungen uebertroffen: sieht irre gemuetlich aus, so ein porzellankissen, oder?

guangszhou barg noch eine dimsum-orgie zum mittagessen, und die freundschaft mit noa aus israel und joshua aus den usa, ueber die ich mich sehr freue. nicht nur wegen der ersehnten abenteuerlustigen essensbegleitung.
mit noa habe ich einen sehr schoenen tag in foshan verbracht, wo wir eigentlich keramikmanufakturen besichtigen wollten, dann aber ratschend im tempel haengenbleiben – und so in den genuss des loewentanzes kommen, einer beeindruckenden akrobatiknummer zu wildem trommeln. (hier wird gerade eine lokale koestlichkeit verkostet die aussieht wie seidenkokons mit raupe drinnen- ist aber aus zuckerwatte und nuss. kostet dennoch ueberwindung beim reinbeissen, man weiss ja nie)

und mit joshua habe ich mich vorgestern hier in yangshou wiedergetroffen, dem chinesischen garmisch: idylisch zwischen wilden bergen eingeklemmt, wunderschoene landschaft – und superkitschtouristisch.

als ich hier nach einer wirklich unangenehmen nachtbusfahrt im morgengrauen aus dem bus geworfen werde, wartet schon ein schmierlappen von hotelschlepper auf mich, dem ich mich im leben nicht anvertraut haette – haette er nicht einen von joshua geschrieben zettel mit meinem namen in der hand. der naemlich hat sich inzwischen mit der lokalen mafia angefreundet, und so von den infamous li-brothers das penthouse einer ihrer zahlreichen absteigen zum freundschaftspreis gemietet.

wie mein reisebegleiter, ein 21 jahriger philosophiestudent und wirklich feine gesellschaft, sich diese freundschaft erworben hat, ist mir noch nicht ganz klar, aber meine hat er ja auch. und ich wollte schliesslich leute finden, mit denen ich die chinesische kueche ausprobieren kann, oder?
denn als bonusprogramm fuehrt uns der aeltere mr. li, ein ziemlich neureicher und grobschlaechtiger, aber irgendwie eindrucksvoller kerl, abends durch sein neuerworbenes chalet und zum essen: hund. im hotpot.
da kann man jetzt verschiedener meinung sein, zugegeben, aber es schmeckt wie hase und eine solche einladung abzulehnen ist in china sehrsehr unhoeflich. und ich will nicht unhoeflich sein. schon gar nicht der lokalen mafia gegenueber.
(joshua hat schon mal fuer fahndungsfotos posiert. doch die kunst des scherenschnitts ist in yangshuo so alt, dass das fertige werk voraussagt, wie man in 30 jahren aussehen wird - wirklich erstaunlich. )

zum ausgleich gibt es hier aber noch die zauberhafte annie, die das bamboo-guesthouse betreibt und den besten kaffee der stadt kocht (und deren internetzugang funktioniert, so schnell, dass sogar mauerknacken funktioniert, wenn auch fotos hochladen nicht).
allen, die einmal ins schoene yangshou reisen, sei ihr hostel ans herz gelegt (die li-brothers kann ich nicht uneingeschraenkt empfehlen)
von annie haben wir gestern fahrraeder geliehen und sind den fluss hoch und runter gefahren, was wunderschoen war – inklusiver der erzwungenen bambooraft-uberfahrt zu einem alten mann, der den geplatzten reifen wieder geflickt hat.

hier in der ecke bleibe ich erstmal ein paar tage und diene dem tourismusministerium ab morgen als attraktion waerend einer fuenftaegigen rundreise des chinesischen wandervereins, zu dem internationale wanderfachkraefte aus aller welt eingeladen sind (und um es international zu machen, lud man spontan/panisch/in letzter sekunde auch 10 zufallstouristen, darunter joshua und mich, ein ... )
bin sehr neugierig - und ein bisserl aufgeregt. gerate ich jetzt vollends unter staatliche kontrolle oder ist das eine einmalige chance, china aus der innen- oder einer ganz anderen perspektive zu erleben?

ich werde berichten. und dann geht es weiter gen sezhuan, meinem lieblingspfeffer auf der spur!

1 Kommentar:

  1. wie immer großes kino, Deine berichte. weiter so !!! bin schon immer ganz gespannt, wie es Dir weiterergangen ist. liebe Grüße aus der herbstliche Heimat ! Felix

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