Dienstag, 3. November 2009

tsetserleg, kharkhorin, arvaikheer, datong, beijing

wenn eine eine reise tut, hat sie was zu erzaehlen. sollte sich dann aber auch.
entschuldigung. doch in den letzten wochen war erstens viel los und zweitens mein zugang zur freien massenkommunikation erschwert, deshalb reiss ich mich heute zusammen und mache einen bueronachmittag in einer internetbude in hongkong. leider etwas mehr zu lesen, sehr userunfreundlich, ich weiss, ich weiss... danke dennch fuer die geneigte aufmerksamkeit.
und los gehts:


ein roadtrip durch die mongolei

anfang oktober: in der morgendaemmerung brechen wir auf gen westen. unser vehikel ist die russische variante eines vwbusses mit zwei tanks, peinlich sauberen sitzbezuegen und einem sehr schrammeligen autoradio - beladen mit proviant, vier abenteuerlustigen reisenden und churlee - ex-soldat, fahrer, uebersetzer, kleinkind und kindermaedchen in einer person.

wir fahren gen westen - machen mittagspause in den sandduenen, die ich schon vor ein paar wochen besucht habe, und besuchen meine zaueberhafte nomadische gastfamilie, um ihnen die abzuege ihrer portraitfotos zu ueberreichen - grosses zeremoniell inklusive, besonders da ihr aelterer sohn in der woche zuvor verjurtet wurde. das ist der korrekte terminus fuer eine mongolische hochzeit: das brautpaar bekommt eine eigene jurte, zieht ohne viel aufhebens ein - fertig. noch drei wochen zuvor hatte ich beim jurtenaehen geholfen (also, soweit ich die nadel durch den zentimeterdicken schaffilz bekommen hab...) und wir waren jezt die ersten fremden gaeste - da wurde stolz im neue geschirr die traditionelle vergorene stutenmilch und (diese hausfrau ist modern, und das will sie auch zeigen) gekaufte kekse serviert.

danach geht es weiter, ueber kharkorin hinaus bis nach tseterleg, wo wir puenktlich zum sonnenuntergang und mondaufgang ankommen und nach 14 stunden reise unsere mueden haeupter auf echte kissen in echten betten betten. zugegeben, ich hab es genossen. wir hatten geplant, in guenstigen gercamps zu uebernachten, und meiner ansicht unter anderem auch, weil churlee laut unserem vertrag fuer uebernachtung selbst aufkommen sollte - fuer essen sorgen wir. uns so hatten wir schon am ersten abend einen riss im gefuege: unser fahrer, der in den gercamps (wie wir spaeter herausfanden) den deal "ich bringe touristen und schlafe dafuer umsonst" macht, sagt uns, er wuerde bei bekannten schlafen, schlaeft aber in wahrheit im saukalten auto. hm.


am tag drauf fahren wir ziemlich direkt weiter richtung white lake (der in wahrheit blau ist),
einem naturschutzgebiet, inmitten einer kargen vulkanlandschaft, wunderschoen.
hier bleiben wir auch zwei nachte bei einer von bert vermittelten nomadenfamilie, gehen wandern und reiten, spielen karten und ratschen, kochen eintopf (leider zu churlees grosser enttauschung schon wieder vegetarisch), unsere waesche und trinkwasser. so ein wok ist eine feine sache.

das wasser brachte uns am ersten abend noch der sohn des hauses, am naechsten morgen bin ich selbst los, und die gastmutter zeigt mir die tiefe stelle am ufer... genau dort, wo ich am abend zuvor das yak beim trinken fotografiert habe. yak... und als am abend der wind zunimmt, wird das wasser so schmutzig, dass wir dann doch lieber eine extrarunde in die stadt fahren zum wasserkauf.
daniel, der ja gerade erst in der mongolei angekommen ist, wird ungedulig - hier gibt es ja gar keine kultur zu gucken! er will in staedte, tempel sehen... dabei ist mongolische kultur genau das: jurten, pferde, nichtstun. tempel gab es zwar mal, bevor die kommunisten aufgeraeumt haben (mit hoechst drastischen folgen fuer moenche und kulturschaetze), aber bis auf ulaan baatar sind die ortschaften, all die kleinen aimag und sum-center hoechst sovjetische erfindungen - gedacht, die nomadenkutur zu beeenden.

am morgen unserer weiterreise ist alles weiss - diesmal richtig viel schnee. zum glueck ist der bus fuer jedes wetter ausgelegt, und was vorgestern noch klimaanlage war wird durch zwei, drei schrauben im motorblock zur heizung. mittags gibs restaurantessen (endlich fleisch) und eine ordentliche schneeballschlacht, und danach biegen wir gefuehlt irgendwo in der landschaft rechts ab, fahren ueber stock und stein, ueber huegel und durch taeler - und finden (daran hatte ich nicht mehr geglaubt) tatsaechlich die heissen quellen, an denen sich zwei resorts niedergelassenhaben. juhu! badewanne! qietschsauber, aufgeweicht und aufgewaermt sitzten wir wieder im bus, denn churlee will doch lieber weiterfahren bis kharchorin als hier uebernachten (wahrscheinlich gabs keine gratisuebernachtung fuer ihn), doch dann folgt ein sehr, sehr anstrengender ritt. gerade vor einbruch der dunkelheit finden wir die hauptstrasse wieder, und dann gehts noch drei stunden durch die nacht - auf einer der (ich zitiere den reisefuehrer) "fiesesten pisten dieses an fiesen pisten nicht gerade armen landes". und um wachzubleiben, besteht unser inzwischen qua fleischmangel zunehmend unwirscher churlee auf offenen fenstern. was soll ich sagen - wir hatten noch nasse haare. die halbauskurierte erkaeltung aus ub schlug promt zurueck.

kharkorin, das alte zentrum des mongolenreiches, palast der soehne dschingis kahns, sammelplazt der gefuerchteten heerscharen, die die welt eroberten... kharkorin, soviel sei hier mal gesagt, lohnt sich nicht. punkt.

wir fahren statt dessen schnell weiter nach arvaikheer, um die buecherbruecke zu besuchen - und sind allesamt sehr gluecklich, als wir wieder in der zivilisation sind. die wunderbare uuganaa schleppt uns abends in das restaurant ihrer freundin, das gerade eroeffnet wird - superlecker, aber (unser churlee kanns nicht fassen) vegetarisch. ein vegetarisches restaurant ist durchaus ein riskantes unternehmen im land der fleisch-mit-fleisch-esser - doch da fuer mongolen und chinesen vegetarisch vor allem bedeutet, dass man fleischersatz moeglichst perfekt macht (kohlrabi-knochen am t-bone-tofu), beschwert er sich am ende doch nicht und haut rein, das es geradezu unhoeflich ist.

am nachsten tag erkunden wir die stadt und den huegel mit alten graffiiti (also, eher felszeichnungen aus der zeit der skythen, aber dazwischen sind halt doch immer wieder herzchen mit e+k... ) und ich besuche uuganaa.
ihr youth development center, das die buecherei beherbergt und auch das zentrum fuer die teachertrainings ist, wurde ja gerade erst durch die buecherbruecke aufgebaut und ist jetzt schon ein riesenrenner - ich habe den mitgliedsausweis nummer 509 (stolz!) .
sie haben sogar schon einen preis fuer nachhaltige entwicklung bekommen, mit dem geld koennen sie zwei maedels als bibliothekarinnen einstellen und schaffen auch noch jobs. ich denke, uuganaa und ihre bibliothek sind ein riesenglueck fuer diese kleine stadt - und ein tolles beispiel dafuer, wieviel der einsatz und die leidenschaft einer einzelnen person bewirkt, wenn sie die helfer trifft, die sie ermutigen. ich wuenschte, ich haette meinen volunteerdienst hier machen koennen (aber wer weiss, vielleicht komm ich im fruehjahr ja nochmal). und ich bin sehr froh, dass ich zumindest carsten aus der ferne bei der buchmesseplanung helfen konnte.

abends vergnuegen wir uns beim karaoke (zum glueck haben wir in ub ja backstreet boys und britney spears geuebt) - doch churlee schafft es irgendwie nicht zurueck ins hotel. gegen drei werden wir nervoes, immerhin muessen wir am naechsten morgen frueh los. und nach mehrmaligen hochpeinlichen anrufen kann ich ihn ueberreden, spielkarten und vodka beiseitezulegen... der idiot hat doch tatsaechlich in einer nacht gut die haelfte seines lohns fuer unsere abenteuerwoche verspielt, kann man das fassen?

im rueckblick hatten wir uns wohl zuviel vorgennommen - viel zeit im auto verbracht. aber schoen wars schon! und die autofahrten wurden durch churlees kassettensammlung (inkl. peter fox) und einen schweizer mp3 player samt adapter zur mitsingparade - und zum sprachkurs.
churlee hat eine deutsche freundin, die er naechstes jahr in der mongolei zu ehelichen plant und der er morgens und abend ischliebdischschaaatz ins telefon seufzt - und ich finde mich unfreiwillig in der rolle des cyrano mit lehrauftrag. (ja, danke, ich weiss, der verglich hinkt. wobei ... gegen ende der reise hege ich fuer die romantische claudiaaa deutlich waermere gefuehle als fuer ihren mit schlechten manieren gesegneten verehrer) .
auch lindsay lernt ploetzlich deutsch (und in einer woche gefuehlt mehr als churlee nach drei jahren kann) und ich gebe mir groesste muehe, damit die zwei nicht von fabiola und daniel mit tiefbunten schweizer minoritaetendialekten gefuettert werden statt mit huebsch sauberem schuldeutsch.

die fahrt nach ulaan baatar birgt noch einen spontanen stop in einem verfallen kloster (wunderschoen, aber igendwie auch spooky - dabei hab ich erst danach gelernt, dass hier waehrend einer religioesen revolution mal 3000 rotmuetzenmoenche abgeschlachtet wurden)
in ub selbst essen wir noch schnell was (suppe - mit fleisch!) und fallen in die dormbetten - am naechsten morgen gehts fuer mich in aller fruehe zum bahnhof - 24 stunden im zug, ueber die grenze nach china, bis datong. neugierde... aber die mongolei wird mir fehlen.


kulturschock in datong - und ein sprachkurs in beijing

ein paar tage vor meinem geburtstag also sitze ich im zug, fahre durch die wueste gobi (die gar keine wueste ist, sondern eine gobi - eine halbwueste) bekomme von meinen netten zugabteilmitinsassen die ersten brocken chinesisch beigebracht und einen selbstgekochten rindernacken aus der einkaufstuete serviert, von dem ich mir mit meinem eigenen messer ganz mongolisch stueckchen abschneide. lecker.
nach der grenze schlafe ich ein, und verpasse fast den vielgepriesenen wechsel der achsen auf das chinesische schienenmass - tatsaechlich ein schauspiel, der ganze zug wird per automatischem wagenheber einen meter in die luft befoerdert, dann rauschen drunter die alten achsen raus und die neuen rein, schraubschraub, und weiter gehts. tag fuer tag, mit jedem zug der durchkommt, in beide richtungen...

in datong ist - ueberraschung - alles chinesisch. das bedeutet, das sich sogar die touri-info nicht finde, weil sie auf chinesisch angeschlagen ist. ich fluechte mich ins bahnhofshotel (immerhin ist buchmessewoche, da muss man doch in bahnhofsnaehe wohnen!) und goenne mir ein doppelzimmer mit dusche und tv fuer mich ganz alleine.
nachmittags kaufe ich mit zeichensprache eine simkarte, die ins ausland funktioniet (im nachhinein hab ich gelernt, das das ziemlich aussergewohnlich ist - die sind in beijing scheint es fuer wichtige leute reserviert), erkunde die stadt (klasse) und esse die traditionellen gedaempften knoedel mit fuellung. langsam reichts mit dumplings - erst in sibirien pelmeni soweit der magen kann, dann in der mongolei wochenlang booz und jetzt schon wieder! ich koennte mal gemuese vertragen.

am naechsten tag mache ich dank des wunderbaren mister gao von cts, dem staatlichen china travel service, der englisch spricht und superhilfsbereit ist, einen ausflug per oeffentlichem bus an die mauer nach desheng bao - ohne seine hilfe haette ich den richtigen bus nie gefunden! desheng bao ist ein dorf, dass innerhalb der verfallenen mauern eines ming-kastells steht - sie nutzten die alte verteidigungsanlage quasi als zaun. und ein bisserl mauer gibt es auch, zugegeben aber sehr loechrig.
(zum thema loch in mauer hab ich auch viel nachgedacht an diesem tag, da ich am vorabend einen schoenen langen blogeintrag geschrieben hatte fuer die zwei leute, die das hier lesen - und dann beim hochladen von der chinesischen zensurmauer gestoppt wurde. leider ging dabei auch der text verloren, deshalb ist der unten stehenden mongolei-eintrag eine rekonstruktion. und das loch, das robert gebuddelt hat, ist zu klein zum wirklich dran arbeiten...)
zureuck schaffe ich es mit einem zettel, auf den ich datong in chinesisch gemalt habe, einen minibus anzuhalten - und muss stoisch ertragen, dass sich 12 leute eine stunde lang ueber mich lustig machen. wie kann man auch nur so bloed sein, und nach china fahren ohne chinesisch zu sprechen!!

fuer den naechsten morgen bin ich besser praepariert - zielorte, buslinien, und die frage nach dem naechsten und dem letzten bus sind auswendig gelernt und zur sicherheit in han-schriftzeichen und pinjin notiert (heute weiss ich, das mich eh keiner verstanden haette, weil meine aussprache 90prozent daneben lag und die datonger wohl eh kein mandarin spechen).
doch dann ruft mich der nette mr. gao um sechs in der frueh an und ueberredet mich zu einer gruppentour mit cts. na, meinetwegen.
war sogar ganz lustig - in ein kloster, das praktisch in den fels geschraubt ist (und ziemlich wackelig aussieht, wenn sich busladungen voll touristen durchschieben) sowie zu den beruehmten buddhahoehlen, die zahlreiche reisefuehrer zieren. dort war nur leider gerade eine wichtige militaerische delegation zu besuch, und wir wurden aus den schoensten hoehlen sofort rausgescheucht. manche genossen sind eben gleicher als andere...
dazwischen gabs ein grosses chinesisches mittagessen - 12 leute um den runden tisch, die drehglasplatte in der mitte biegt sich unter der last der koestlichkeiten - sehr fein. ich war auch schon ziemlich hungrig nach zwei tagen snacks.

alleinreisen in china hat naemlich einen ganz entscheidenden nachteil (mal abgesehn davon, das dich jeder chinese fuer einen total verschrobenen soziopathen haelt - kein mensch reist hier alleine. niemand macht hier auch nur irgendetwas allein).
das echte problem ist, das man nicht alleine essen gehen kann!
ausser in sehr westlichen restaurants oder fastfoodketten gibt es gar keine kleinen (oder auch nur mittelgrosse) tische, und alleine an einem 12er tisch ist hart. knallhart. peinlich.
dazu kommt, dass ausser in restaurants, wo eh keiner hinwill weil das essen nicht schmeckt oder die hygiene selbst chinesischen standards nicht genuegt, alleinesser auch gar nicht gerne gesehen sind - man nimmt ja 11 anderen den platz weg.
aber es macht auch viel mehr spass, in einer gruppe viele verschiedene sachen zu bestellen und alles zu probieren! so finde ich mich also auf der konstanten suche nach mitessern, denn chinesische kueche ist koestlich!!!


der naechste tag birgt eine sehr schone bahnreise bergab bis beijing - wo ich ein hostel finde, ein fahrrad leihe, die alten hutongviertel erkunde und beschliesse, mir zum morgigen geburtstag einen sprachkurs zu schenken. meinen geburtstag beginne ich mit fruehstueck auf chinesich (soyamilchbruehe, germknoedel ohne fuellung und sauer eingelegtes gemuese), dicht gefolgt von einem echten illy kaffee mit geburtsagsmuffin im poetry cafe.
dann radle ich zum hauptpostamt und hole mein geburtstagsgeschenk ab (soooo lieb von euch, danke! das hat mich wirklich sehr gefreut!) den nachmittag verbringe ich in der verbotenen stadt, und abends treffe ich meine beiden schweizer reisebegleiter fabiola und daniel und lasse mich von meinem liebsten in abwesenheit auf eine pekingente einladen - sehr lecker!


und ab da lebe ich ploetzlich in der stadt. buche einen sprachkurs im mandarin house (sehr zu empfehlen), besteige wie offenbar jeder zweite beijinger an einem schoenen herbstsamstag die perfume hills (stau beim aufstieg und beim abstieg - sensationell), ziehe bei einer gastfamilie ein und nach einer halben stunde wieder aus, weil ich ahne, dass ich in den suburbs fuerchterlich einsam werde zwischen einer grille im einmachglas und der geschmacklosesten nachtischlampe der welt - und finde in der sprachschul-wg nicht nur ein schoenens zwischenzuhause, sondern auch nette freundinnen.

die naechsten tage sind dem lernen gewidmet, wir geben uns alle wirklich muehe - aber 80 neue vokabeln pro tag sind ungefaehr 50 zuviel fuer mein untrainiertes hirn. zumal mir die visaverlaengeung deutlich mehr kopfschmerzen bereitet als gedacht - 3000 us$ will der staat china auf einem chinesischen bankkonto als deposit, bis ich das land verlasse... hm. das scheint mir doch wenig einladend. da ich vor der abreise im dezember auch nicht nochmal in beijing bei einer bank vorbeischlappen will, um das wieder auszuloesen - und weil ich dem staat china zugegeben mein geld noch weniger gern anvertrauen wuerde als gewissen kaufleuten in gewissen verlagen, entschliesse ich mich, die reiseroute kurzerhand auf den kopf zu stellen und nach dem sprachkurs nach hongkong zu fliegen, und dann eben den sueden anzusehen.


chinesisch (also korrekterwese mandarin, oder han-yu) macht spass und ist eigentlich gar nicht schwer. zumindest, wenn man, so wie ich, sich gar nicht erst mit schreibenlernen aufhaelt, und sich auf aussprache, tonhoehe und die zum glueck nicht vorhandene grammatik konzentriert. ich bin ganz erstaunt, wieviel ich in zwei wochen lernen kann - sehr schoen. auch wenn nach den ersten tagen deutlich muskelkater in bislang ungenutzter mundmuskulatur zu verzeichnen war - am o und am e habe ich sehr sehr lange (und zum grossen amusement meiner klassenkameraden) gearbeitet.


nur viel zeit zum sightseeing bleibt neben schule, lernen und hausaufgaben machen nicht - aber was ich von beijing kennenlerne, gefaellt mir sehr. ich oft sehr modern, oft sehr verwunschen. und sehr grosszuegig gebaut (man koennte auch sagen grosskotzig-protzig... und all die riesenstrassen und plaetze gehen definitiv in die knochen ...sogar ubahnfahren dauert ewig, denn die distanze sind enorm. und da das neu-olympische ubahnsystem in den ehemaligen maoistischenverteidigungstunneln gebaut wurde, ist umsteigen durchaus mal eine berg und tal tour in schleifen.)
mit eva, meiner wg-hollaenderin, habe ich tempel und nachtmaerkte erkundet - hier gabs mit dem buegeleisen plattgegrilltes gemuese und wuerstchen.

die menschen, die mir in beijing begegnen, sind sehr sehr nett und hilfsbereit - und ich muss gestehen, ich mag die pragmatische art, mit den aergernissen des alltags (und des staates) umzugehen.
mir als gast begegnet die staatsmacht eh sehr selten, und bis auf den visa-aerger sind mir (aber das liegt natuerlich an der auferlegten freundlichkeitsmaxime) nur ausnehmend nette staatsbeamte begegnet.
oder bin ich schon brainwashed? oder wird dieser blog zensiert?
zeitunglesen in china jedenfalls ist der totale lacher - da werden skandale aufgedeckt, und schuld zugewiesen - aber alles wohldosiert. und natuerlich nur die skandale, die aufgedeckt werden sollen!
mal ausserhalb der reihenfolge: ein blick heute in die (unabhaengige? kommt ja drauf an von wem...) englische zeitung im relativ freien hongkong barg wundersame schlagzeilen, bin schon gespannt wie das auf der gegenseite aussieht: offenbar haben beijinger chefmeterologen vorgestern mit schneeausloesekanonen den himmel vom smog gereinigt, aber vergessen, das den verkehrsbehoerden und dem flughafen mitzuteilen. totales schneechaos, flugghafen lahmgelegt. (es hat wirklich auch ausserhalb beijings geschneit, wie gross der anteil des ausgeloesten schnees ist, weiss ich nicht... ich wusste gar nicht, dass das ueberhaupt geht. geht das?).
und dann wird china jetzt die neue supermacht im all, damit sie feinde auch von oben bombardieren koennen. sagte der parteizustaendige gestern erstmals offiziell. aha. von der buchmesse uebrigens keine notiz in den medien, nicht nur im englischsprachigen kampfblatt nicht. aber das in deutschland die wirtschaft wieder waechst, das wird im fernsehen gemeldet. aha.
der neue kommunismus lautet: alle werden reich - die einen jetzt, die anderen spaeter. und sie nehmen die neue parole sehr ernst - es gehts ums geldverdienen und geldausgeben. ausschliesslich. doch bei den wilden teenies regt sich bereits holprige konsumkritik...
ich besichtige neben den weltberuehmten dingen wie dem sommerpalast auch wundervoll abstruse tempel (wie den taoistischen dongyue temple mit einer reihe von "ministerien" rund um die haupthalle, in denen sich himmlischeminister um angelegenheiten wie die pruefung ungerechtfertiger anschuldigungen, die vermeidung von abtreibungen, die regengoeter und um die einfuehrung von 15 arten grausamen ablebens kuemmern. alles plastisch dargestellt in lebensgrossem ton.), lerne von den rentnern im temple of heaven park diabolo tanzen und erkunde galerien und geschaefte, mache unvernuenftige radtouren durch den smog (das beruehmte vogelnest, das olympiastadion, ist smogfarben. man kann es einfach uebersehen.... ) und geniesse mein studentenleben. und einen tag mach ich blau und geh wandern, auf der mauer bei simatai. endlich frische luft!
als ich schliesslich am donnerstag mittag in den flieger flitze, um puenktlich zum auslaufen meines visas das land zu verlassen, plagt mich echter abschiedsschmerz.
ich habe mich ueberhaupt nicht auf hongkong gefreut. zumal man da nicht mal mandarin spricht....

aber dazu beim naechsten mal mehr - das war jetzt ein echter arbeitstag im internetcafe, und immerhin bin ich im urlaub! nur soviel vorneweg: hongkong ist auch klasse. anders, aber toll. und morgen gehts, mit neuem visum, zurueck aufs festland...

1 Kommentar:

  1. Hallo Andrea, von wegen nur zwei Leute lesen was du schreibst! Bis jetzt habe ich immer nur schnell gelesen und das Kommentar-Schreiben auf später verschoben. Es macht großen Spaß, Deine Berichte zu lesen. Ich kann mir Dich und Deine Umgebung sofort vorstellen und finde es superklasse, was Du machst. Die Reise und die Beschreibung. Ich wünsche Dir weiterhin eine gute Zeit und werde mir erlauben, dich hin und wieder in Gedanken zu begleiten. Liebe Grüße von Brigitte und Karl!

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